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29.09.2003 Top Urgent: WestLB hat verkauft

Topmeldung im "Spiegel": Die WestLB hat für einen 22%-Anteil einen Käufer, der angeblich 1 Mrd. Pfund dafür zahlen will. Wie fast immer steckt hinter diesem Geschäft die Investmentbank Goldman Sachs. Käufer sei die Punch-Gruppe, ein in touristischen Kreisen allerdings vollkommen unbekannter Name.
Kommentar Karl Born:
Kein Wunder, dass der Name Punch in touristischen Kreisen unbekannt ist, denn es geht nicht um den Verkauf der TUI-Anteile, sondern um den 22%-Anteil der WestLB an der britischen Kneipenkette Pubmaster. Falls der so manches gewöhnte BBB-Leser sich jetzt verwundert die Augen reiben sollte, diese Meldung ist keine Zeitungsente. Die WestLB ist in der Tat mit 22% an einer britischen Kneipenkette beteiligt: Eine typische originäre Aufgabe einer deutschen Landesbank. Wer den Umbau des Londoner Wembley-Stadions finanziert, sein Geld bei einem britischen Fernsehvermieter verbrennt, kann wohl auch bei einer Kneipenkette beteiligt sein. Zumal Fußball, Fernsehen und Kneipengehen doch Grundtugenden englischer Touristen sind. Zu dumm nur, wenn durch diese Geschäfte Bilanzdruck und in Folge davon an anderer Stelle Verkaufsdruck entsteht.
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15.9.2003 Gerüchteküche 10.08.2003 Die WestLB oder "wer will an der Touristik teilhaben"?
22.09.2003 Abschiednehmen auf dem Gipfel

Beim diesjährigen Tourismusgipfel spricht Wirtschaftsminister Wolfgang Clement über "Die Bedeutung des Tourismus für den Wirtschaftsstandort Deutschland" und gleichzeitig verabschiedet er Frau Ursula Schörcher, die Chefin der Deutschen Zentrale für Tourismus (DZT), in den Ruhestand. Deshalb sind die BBBs heute auch nicht "bissig", sondern ausnahmsweise "brav".
Kommentar Karl Born:
"Abschied auf dem Gipfel" ist zu Recht zweideutig. Es ist ein Abschied "auf dem" Tourismusgipfel und ein Abschied "vom eigenen" Tourismusgipfel. In acht Jahren harter Arbeit hat Frau Schörcher aus der DZT als Polit- und Verbandstruppe mit oft zweifelhaftem Ruf eine erfolgreiche Organisation geschaffen. Untrennbar damit verbunden ist, dass sie den neuen strategischen Ansatz für das Auslandsmarketing der DZT geprägt hat, mit wechselnden erlebnis-, event- und angebotsorientierten Themenjahren. Damit hat sie auch für die inländischen Destinationen das Bewusstsein geschaffen, dass man großflächig zu denken hat und kleinliche Kirchturmspolitik zurückstellen muss. Keine leichte Aufgabe, wenn man auf 50 Mitglieder in der DZT, von klein bis groß, auf Ministerialbürokratie und Abgeordnete (von Bund und Länder) gleichzeitig hören "soll"; wenn man mit zu kleinem Budget auskommen muss, aber gleichzeitig "Großes" schaffen soll; wenn man jedem hinterherlaufen muss, aber mit den Ideen voraus sein soll: Dies, Gott sei es geklagt, kann nur eine Frau. Herzlichen Glückwunsch liebe Frau Schörcher und auch bei der künftigen Arbeit alles Gute und Erfolg.
Zum Schluss noch eine persönliche Anmerkung: Als ich 1981 bei Condor Flugdienst vom Controlling-Chef zum Verkaufs-Chef befördert wurde, war Frau Schörcher meine Kollegin für den Bereich Marketing. Letzteres war zu diesem Zeitpunkt nicht gerade meine Stärke. In den folgenden Wochen, obwohl sie ursprünglich eigene Interessen für diesen Verkaufsjob hatte, war sie viele Abende meine Lehrmeisterin (für Marketing) und ich ihr gelehriger Schüler. Das habe ich nicht vergessen und deshalb auch an dieser Stelle vielen Dank dafür.
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15.9.2003 Gerüchteküche

Als der WestLB-Vorstandsvorsitzende Ringel im August laut verkündete, dass man sich vom TUI-Aktienpaket schon bald trennen wolle, war es allen Medienexperten klar, diese Ankündigung wird der TUI schwer zu schaffen machen (siehe BBB vom 11.8.2003). Diese Woche war es dann soweit, TUI wurde durch die Presse "gezogen" wie schon lange nicht mehr, sicherlich nicht zum Vorteil. Und so wird Herr Ringel nachts von Wilhelm Busch träumen: "Denn mancher hat sich schon beklagt: Ach hätt` ich das doch nicht gesagt."
Kommentar Karl Born:
Als die BBB vergangenen Montag in Anlehnung an das Buch von Hannelore Hau "eine Kaffeebohne auf Reisen schickten" (siehe BBB vom 8.9.2003), konnte man schon ahnen, dass es eine interessante Woche geben würde. Aber wie so oft, hat die Wirklichkeit die Fantasie weit übertroffen.
Die TUI-Herz Geschichte, war der Renner der Woche und die Überschriften werden die TUI-Verantwortlichen nicht gerne gelesen haben. Von "TUI bleibt herzlos" über "TUI weiß nichts" bis hin zu "Tchibo-Erben wollen TUI-Chef rösten" (Zitat: Sueddeutsche.de) wurde die ganze Bandbreite geboten. Das ZDF berichtete von "Vorstandsintrigen, Königsmordplänen und Filetierung des Konzerns mit dem Lächeln im Logo" (ZDF-online) und BILD-Hannover blickte hinter die Kulissen und erspähte "eine schöne Frau, Golfplatz, blankes Parkett und vier Milliarden in bar". Was in den TV-Soap Operas belächelt wird, endlich live! Dazu die nächste geheimnisumwitterte (Zitat ZDF) Aufsichtsratsitzung zwei Tage lange auf Mallorca, Journalisten und Analysten sind gleich miteingeladen: die Erwartungshaltung ist groß und gleichzeitig gibt es Nährboden für neue Gerüchte.
Ein Gerücht wächst, indem es sich verbreitet. Einfache Dementis bewirken genau das Gegenteil, weil man das Motiv des Dementis nicht kennt. Helfen würden nur Fakten, aber "wo Nachrichten fehlen, wachsen Gerüchte" (Alberto Moravia). Also wird es spannend bleiben.
Hinsichtlich des Wahrheitsgehaltes legen sich die BBBs jetzt schon fest. Wer nämlich bei TUI.com auf "Job und Karriere" (Merke: Karriere) klickt, kann schon in die TUI-Zukunft blicken. Dort steht: "Arbeiten bei der TUI AG: Das ist Einsatz mit Herz"!
Übrigens, wer sich beim Gerüchteverbreiten beteiligen will, findet im Internet schon vorgefertigte Plattformen. So z.B. bei http://plagi.at/geruecht/ oder bei http://wodok.de/kueche/add.php3. Man muss nur noch in vorgefertigten Spalten "das Gerücht" eintragen, der Rest geht von alleine. Viel Spaß!
08.09.2003 Eine Kaffeebohne geht auf Reisen

Die Gesellschafter von Tchibo haben sich nach langer Auseinandersetzung geeinigt. Günter und Daniela Herz (und der Wirtschaftsprüfer Otto Gellert) werden ausbezahlt. Nach Medienberichten (z.B. ftd v. 6.9.03) sollen die gezahlten ca. 4 Mrd. Euro für eine Beteiligung an TUI verwendet werden. Der Anstieg des TUI-Kurses soll darauf zurückzuführen sein, dass bereits TUI-Aktien gekauft werden.
Kommentar Karl Born:
Als Tchibo-Gründer Max Herz 1965 starb, ernannte sich sein ältester Sohn Günter Herz nach bester napoleonischer Manier selbst zum neuen Tchibo-Chef. War damals das Unternehmen ca. 100 Mio. DM wert, dürfte es heute ca. 10 Mrd. Euro wert sein. Trotz des gewaltigen Firmenerfolges, oder vielleicht gerade deswegen, kamen sich die einzelnen Familienmitglieder in den letzten Jahren immer mehr in die Haare und waren alles andere als "ein Herz und eine Seele" (Zitat Manager Magazin). Im Verlauf dieses Jahres eskalierte der Streit der "schrecklich netten Familie" (Zitat WamS), vor allem wegen der geplanten Aufstockung der Anteile an Beiersdorf. Vor wenigen Tagen gab es zwar keine Einigung, aber immerhin ein Ergebnis: Der langjährige Firmenchef Günter Herz (62), seine Schwester Daniela Herz (49) und der Wirtschaftsprüfer Otto Gellert scheiden mit ca. 4 Mrd. Euro in der Tasche (für 40%) bei Tchibo aus. Diese bescheidene Summe sucht nun eine Anlage?..und die WestLB sucht jemanden, der gerne etwas anlegen würde.
Ob Gerücht oder mehr, wer weiß es. Aber offensichtlich gibt es z.Z. einen oder mehrere Interessenten, die TUI-Aktien kaufen. Also die ideale Zeit für Spekulationen. In der Tat könnte TUI eine "Herzoperation" drohen.
Was spricht dafür?
Grund 1: Leute mit so hoher Streitkultur wie Familie Herz, mit gegenseitigem "aus der Firma drücken", Unternehmensanteile bündeln, Stimmrechts-Vereinbarungen rein und raus, das erinnert doch stark an die Zeit als die WestLB bei TUI einsteigen wollte und es auch schaffte. Die Gesellschafterversammlung der TUI vom 17.3.1993 galt lange Zeit als juristisches Musterbeispiel für den Versuch Gesellschafter aus einer GmbH herauszuklagen. Durch die hohe Zahl anwesender Juristen spottete man auch vom "kleinen deutschen Juristen-Tag". Diese Gesellschafterversammlung war so spannend, dass einer der TUI-Vorstände sogar die Hochzeit seiner eigenen Tochter an diesem Tag verpasste. Ergo, hier treffen Könner aufeinander, das könnte passen.
Grund 2: Daniela Herz hat große touristische Erfahrung durch die eigene Reisebüro-Kette. Außerdem ist der Tchibo-Clan bekannt dafür, dass alle Mitglieder gerne reisen. Da haben in der Branche schon einige mit weniger Vorkenntnissen angefangen!
Grund 3: Der Tchibo-Slogan "Jede Woche eine neue Welt". Zwar haben die BBB keine Ahnung, woher Tchibo jede Woche eine neue Welt bekommt (unsereiner muss schließlich immer mit der selben Welt zurechtkommen), aber wenn dem so ist, dann ist es ja einfach, immer wieder neue Reisen anzubieten. Und das alles jede Woche: Also von Last Minute haben die auch eine Menge Ahnung.
Nicht nur der TUI-Vorstand, auch die TUI-Mitarbeiter wären jedenfalls froh, wenn die Frage der neuen Eigentümer möglichst schnell geklärt wäre. Und so flapsige Bemerkungen in der Umgangssprache wie "Das interessiert mich nicht die Bohne", kann man sich ja schnell abgewöhnen. Ebenso wenig sollte man darüber nachdenken, dass 40% Tchibo mehr wert sein sollen als 100% TUI.
Weiterführende Literatur: "Nelly, die neugierige Kaffeebohne. Erlebnisse und Abenteuer einer reiselustigen Kaffeebohne" von Hannelore Hau (1999).
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