Kostensparen – brutal | 8.5.2005 (Prof. Karl Born)8.5.2005: Kostensparen – brutal

Die Sparprogramme in der Reiseindustrie sind gewaltig. TUI will 150 Stellen nach Indien verlegen. Thomas Cook hat schon so viele Sparprogramme hinter sich, dass Branchenspötter deren Hauptverwaltung schon als „fast kostenfreie“ Zone bezeichnet haben. Wie man so richtig brutal sparen kann, haben jetzt zwei Berliner Rundfunksender vorgemacht.
Kommentar Karl Born:
Da schauten die Mitarbeiter des Berliner Radiosenders „100,6 – Das Superradio“ montags morgens „ganz schön dumm aus der Wäsche“. Die Computerschirme blieben schwarz und die Passwörter funktionierten nicht mehr. Was war geschehen? Übers Wochenende waren die Geschäftsführung und wenige ausgewählte Mitarbeiter klammheimlich nicht nur in neue Geschäftsräume umgezogen, sondern hatten auch zugleich eine neue Firma fast gleichen Namens gegründet. Den Abschiedsbrief deponierte der Geschäftsführer nachts auf dem Schreibtisch der Sekretärin. Fast wie im richtigen Leben. Die neuen Büros sollen richtig schick und zentral in Berlin gelegen sein, die alte Firma geht in die Insolvenz.
Eine Sparmaßnahme anderer Art dachte sich der Berlin-Brandenburger Radiosender 104/9 Oldie-Star Radio aus. Der gab seinen Mitarbeitern frei und spielte den ganzen Tag lang nur ein einziges Lied. Scott McKenzies „San Franzisco“ lief ca. 500 mal in diesen 24 Stunden über den Äther.
Damit diese BBBs richtig verstanden werden, das sollte keine Anregung für Geschäftsführungen sein sich abzusetzen (womöglich nach Indien) oder den Einheitsurlaub zu kreieren. Eher ein Hinweis, dass das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht ist. Aber das hat diese Branche ja auch noch nicht nötig. Muss man zumindest annehmen, solange das „Sparpotenzial Schmalkatalog“ bei den meisten noch ungenutzt bleibt.
----------------------------
Nur just for info. Die FVW hat berichtet, dass der neu ernannte Mariott-Direktor für Global Strategy John F. Kennedy heißt. In der gleichen Ausgabe suchte TUI einen neuen Chef/in Flugdisposition. Falls Sie zufällig Charles Lindberg oder Otto Lilienthal heißen, sollten Sie sich bewerben.
|