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30.6.2003 Geocaching

Geocaching oder auch GPS Stash Hunt oder Global Positioning Stash hunt genannt, ist ein neues, unterhaltsames Abenteuer-Spiel mit einer rasch wachsenden Fan-Gemeinde. Es basiert auf den Funktionen und Möglichkeiten des Global Positioning System (GPS). Die Spielidee besteht darin, dass Individuen und Organisationen in aller Welt "caches" (Verstecke, Speicher) festlegen und die markierten Orte über das Internet anderen mitteilen. Die Nutzer des GPS können die Koordinaten dieser Orte verwenden, um die Verstecke zu finden. Wer ein Versteck findet, entnimmt sich den hinterlegten Preis.
Kommentar Karl Born:
Was hat das ganze mit Touristik zu tun? Es erschließt dem Marketing neue Ideen. Man könnte dieses Spiel zum Beispiel dazu verwenden einen Reisegutschein zu hinterlegen. Ihn zu finden setzt eine touristische Aktion voraus. Bei www.geocaching.de ist bereits eine eigene Rubrik „Landschaftliche und Kulturelle Höhepunkte“ entstanden. Dort heißt es: Es kristallisieren sich bereits bestimmte landschaftliche Bereiche heraus, in denen eine besondere Konzentration an Caches entstanden ist. Kenner wählen dafür eine schöne und besonders eindrucksvolle Gegend oder der Cache führt zu einer interessanten Sehenswürdigkeit mit historischen oder kulturellen Hintergrund.
Also liebe Reiseveranstalter, ein neues Geschäftsfeld bahnt sich an. Wer kennt potenzielle Caches besser als Eure Experten. Und als Krönung erscheint demnächst ein Katalog, in dem nicht wie bisher Orte benannt werden, sondern nur noch die GPS-Koordinaten. Und wenn man es gefunden hat: Überraschung!
Gefunden unter: http://www.abseits.de/weblog/2003_06_01_archiv.html (Gastgewerbe Gedankensplitter)
23.06.2003 Späte Erkenntnis

Die größten deutschen Reiseveranstalter, TUI und Thomas Cook, wollen die Abflugzeiten von Charterflügen nicht mehr so häufig wie bisher kurzfristig ändern. "Wir haben den Bogen überspannt" und "Die Qualität der Reisen hat gelitten" lautet die Begründung.
Kommentar Karl Born:
Endlich eine gute Meldung aus den Konzernzentralen. Wie heißt es so schön: „Manche finden die richtige Lösung erst, nachdem sie alle falschen ausprobiert haben.“ Wie immer: Besser eine späte richtige Lösung als auf der falschen zu beharren.
Ob allerdings die nächste Nachricht (lt. Touristik Report vom 20.6.) eine späte richtige Lösung ist, darf bezweifelt werden. Nicht umsonst ist folgende Frage als running gag (zugegeben nur für Insider) im Umlauf: Wie lautet der zur Zeit kürzeste Branchenwitz? Antwort: Hemjö Klein soll das PEP der Bahn in Schwung bringen!
16.6.2003 Haste mal einen Euro für mich?

Der Nürnberger Textilunternehmer Hans Rudolf Wöhrl hat die Deutsche BA für den symbolischen Preis von einem Euro gekauft. Leider hatte er vergessen für den Gang zum Notar Geld einzustecken, so musste die anwesende Dolmetscherin ihm einen Euro leihen. Um einige Euros mehr geht es bei der geplanten Anhebung der Aufsichtsratstantiemen bei Lufthansa um bis zu 160%. Um den Druck der Aktionäre und der Öffentlichkeit zu mildern, will der designierte Aufsichtsratsvorsitzende Jürgen Weber seine zusätzlichen Euros für einen karitativen Zweck spenden.
Kommentar Karl Born:
Man muss sein einstudiertes Weltbild ab und zu ändern. Wurde man früher in der Fußgängerzone von einem Typ angeschwatzt "Haste mal einen Euro für mich", wusste man, das Geld wird für Alkohol oder für einen "Schuss" benötigt. Seit letzter Woche haben wir hinzugelernt. Es kann auch sein, dass Sie jemand um einen Euro bittet, weil er eine Airline kaufen will. Heißer Tipp: Wenn Sie wieder jemand um einen Euro anbettelt, geben Sie doch einfach zwei Euros, mit der Bemerkung "kaufe mir auch eine Airline mit". Billiger kann es nun wirklich nicht mehr werden. Ist das bereits Deflation oder die schärfste Variante von "Geiz ist geil"?
Um eine "Handvoll Euros mehr" geht es bei Lufthansa. Ausgerechnet beim Wechsel des jetzigen Vorstandsvorsitzenden Jürgen Weber, des "härtesten Sanierers aller Zeiten" in den Aufsichtsrat, sollen die Aufsichtsratstantiemen drastisch erhöht werden. Zugegeben, diese sind heute "im Vergleich mit anderen Aufsichtsratstantiemen" nicht übermäßig, aber diese "überaus originelle Begründung" muss in letzter Zeit für alles herhalten, für die Gehälter der Topmanager (siehe DaimlerChrysler u.a.), für Politikerbezüge und überall dort, wo das Geld nicht aus der eigenen privaten Tasche entnommen werden muss. Wollen wir nicht näher untersuchen wie wichtig diese Erhöhung für einzelne Aufsichtsratsmitglieder wie z.B. Deutsche Bank-Vorstandssprecher Josef Ackermann (geschätztes Jahresgehalt 6,9 Mio. Euro) ist. Wir sollten eher an jene denken, z.B. an die Lufthansa-Flugbegleiter, von denen wie selbstverständlich erwartet wird, dass sie eine Arbeitszeitreduzierung ohne Lohnausgleich hinnehmen sollen (in Verantwortung gegenüber dem Konzern!!). Wer ein einigermaßen gutes Gedächtnis hat, wird sich aber auch daran erinnern, wie Jürgen Weber "persönlich beleidigt war", als die LH-Piloten exakt mit dieser Begründung "Nachholbedarf gegenüber anderen" ihre Gehaltssteigerung per Streik durchsetzen wollten. Die letzte Reaktion von Jürgen Weber ist allerdings besonders drollig. Der künftige Lufthansa-Aufsichtsratsvorsitzende will seine Erhöhung für karitative Zwecke spenden. Entweder ist die Forderung nach Erhöhung gerechtfertigt oder nicht, sie zu spenden macht die Angelegenheit nicht verständlicher. Deshalb Merke: Hinter manchem sozialen Gewissen kann auch ein schlechtes Gewissen stecken.
09.06.2003 Der Last Minute-Tourist auf Kolumbus´ Spuren

Ein Last Minute-Tourist steht am Flughafen-Counter, legt 200 Euro auf den Verkaufstresen und verlangt „für dieses Geld in die Sonne“. Auf die Frage der Expedientin „wohin?“ antwortet er „Egal, Hauptsache Sonne und nicht teurer als 200 Euro“. An wen erinnert dies?
Kommentar Karl Born:
Das erinnert doch stark an Christoph Kolumbus: Bei der Abreise nicht wissen wohin und nach der Rückkehr nicht wissen wo man war. Ein Déjà-vu-Erlebnis mehr als 500 Jahre später.
02.06.2003 Ein Tourist überquert die Straße

Zu dieser auf den ersten Augenblick harmlosen dpa-Meldung haben die „Bissigen Bemerkungen“ Experten aus Wirtschaft, Politik und Gesellschaft um einen Kommentar gebeten.
Kommentar Karl Born:
Presseerklärungen aus dem Bereich Touristik:
Presseerklärung der TUI AG: Wir haben beim Straßenüberqueren von deutschen und englischen Touristen signifikante Ähnlichkeiten entdeckt. Deshalb wurde der Auftrag erteilt, eine europäische Straßenüberquer-Plattform zu schaffen um entsprechende Synergievorteile heben zu können. Wir werden damit unsere Position des weltweit führenden Touristikunternehmens weiter ausbauen. Presseerklärung THOMAS COOK AG: Entscheidend für den künftigen Erfolg wird sein, wer seine Touristen am kostengünstigsten die Straße überqueren lässt. Wir haben deshalb ein neues Sparprogramm TCSCRP (Tourist Crossing Street Cost Reducing Program) mit einem Volumen von mehreren Mio Euro aufgelegt. Wir werden damit unserem Ziel näher kommen, der profitabelste Reisekonzern zu werden.
Presseerklärung alltours: Wir freuen uns, dass die Touristen erst uns fragen, bevor sie die Straße überqueren.
Presseerklärung AIR BERLIN: Unser Straßenüberquer-Shuttle ist ein voller Erfolg. Wir haben z. Z. 42 Rikschas im Einsatz. Als Fahrer bevorzugen wir ehemalige Frisöre, die es gewohnt sind, lange „auf den Beinen“ zu sein. Wir werden auch in Zukunft erfolgreich sein, wenn es uns gelingt, die chinesische Rikscha-Mafia herauszuhalten.
Presseerklärung Deutsche Zentrale für Tourismus (DZT): Wir freuen uns, dass die Touristen zunehmend deutsche Straßen überqueren.
Presseerklärung Deutscher Tourismusverband (DTV): Wir halten es für einen politischen Skandal, dass man nur die DZT um ihre Meinung gefragt hat und nicht auch den DTV.
Presseerklärung DRV: Die Überlebenschance beim Straßenüberqueren ist nach einer Beratung im Reisebüro um 76% höher als bei ausschließlicher Information durch das Internet.
Presseerklärung BTW: Dass der BDI-Vorstand sich erstmals mit der Frage des Straßenüberquerens und nicht nur mit der Frage der Straßennutzung befasst, zeigt den hohen Stellenwert den die Tourismusindustrie inzwischen erreicht hat.
Presseerklärung PROF. FÜHRICH, Reiserechtsexperte: Wenn Touristen die Straße nicht überqueren können, haben sie ein Recht auf Reiserücktritt. Wenn die Reiseveranstalter nur Umbuchung anbieten, weil man statt von links nach rechts, ersatzweise die Straße immerhin noch von rechts nach links überqueren könnte, müssen das die Reisenden nicht akzeptieren. Sie haben ein Recht die Straße in der ursprünglich im Katalog ausgeschriebenen Richtung zu überqueren, anderenfalls dürfen sie kostenfrei stornieren.
Presseerklärung PROF. KARL BORN, Hochschule Harz: Dies ist ein weiterer Beweis für die fehlende Innovationskraft der Großveranstalter. Warum müssen heutzutage Touristen noch immer persönlich die Straße überqueren?
Presseerklärungen aus der Politik:
Presseerklärung BUNDES-FINANZMINISTERIUM: Da alle Straßenbenutzer eine Form der Kfz-Steuer oder eine andere Steuer zahlen müssen, ist das kostenlose Überqueren der Straße nichts anderes als eine verdeckte Subvention. Das können wir uns angesichts knapper Kassen nicht länger leisten. Es ist deshalb beabsichtigt eine Straßenüberquer-Maut einführen. Höhe und Zeitpunkt der Einführung sind noch offen.
Presseerklärung der CDU: Wieder hat Schröder ein Wahlversprechen gebrochen.
Presseerklärung des KANZLERAMTES: Es ist beabsichtigt, eine Kommission einzusetzen, die das Überqueren von Straßen durch Touristen überprüfen soll. Die Vorschläge dieser Kommission werden noch in die Agenda 2010 eingearbeitet und dann zügig 1:1 umgesetzt.
Presseerklärung Studio SABINE CHRISTIANSEN: Das Thema am nächsten Sonntag wird heißen: Behindert das Straßenüberqueren durch Touristen die Zukunftsfähigkeit unseres Landes? Diskussionsteilnehmer werden sein: Manfred Stolpe, Verkehrsminister und erfahrener Seitenwechsler, Guido Westerwelle, FDP-Vorsitzender und potenzieller Seitenwechsler, Ursula Engelen-Kefer, DGB-Frontfrau und Seitenbeharrerin, Prof. Jürgen Falter, Politologe, untersucht die politischen Motive von Straßenüberquerer und Ferdinand Meier, Bürger, der seit zwei Wochen vergeblich versucht die A2 bei Hannover zu überqueren.
BILL CLINTON, früherer US-Präsident: Ich war mit dieser Touristin beim Straßenüberqueren zu keiner Zeit allein.
Presseerklärungen Wirtschaft:
Presseerklärung MEDIA-SATURN: Nur Geiz ist geiler als Straßenüberquerung.
Presseerklärung BAHN AG: Es ist besser, die Straßen zu überqueren, als die Gleise zu überqueren.
Presseerklärung BUNDESVERBAND DES DEUTSCHEN BESTATTUNGSGEWERBES: Die Geschäftslage hat sich wegen der für uns negativen Veränderung der Alterspyramide verschlechtert. Teilweise wurde diese Entwicklung kompensiert durch ein Ansteigen der Zahl unvorsichtiger Touristen. Die Branche sieht jedoch mit Bedenken den generellen Rückgang der Touristenzahlen.
Sonstige Presseerklärungen.
MICHAEL SCHUMACHER, Formel 1-Weltmeister: Sorry, mit diesem Verhalten des Touristen konnte ich nicht rechnen.
OLIVER STONE, mehrfacher Oscar-Preisträger u.a. für „JFK – Tatort Dallas“: Die entscheidende Feststellung ist nicht, dass „der Tourist die Straße überquerte“, sondern die Frage „Wer überquerte die Straße zur selben Zeit, den wir in unserer Hast übersehen haben, während wir den Touristen beobachteten“.
SIGMUND FREUD JR.: Die Tatsache, dass Sie sich mit dem Thema Straßenüberquerung beschäftigen, zeigt ihre sexuelle Unsicherheit. Wahrscheinlich haben Sie das tiefe Bedürfnis ihre Geschlechterrolle zu wechseln. Tun Sie es.
Sollten Ihnen weitere Presseerklärungen zu diesem Thema bekannt sein, bitten wir um Zusendung.
Die heutigen BBB wurden inspiriert durch die Geschichte „Warum überquert ein Huhn die Straße?“, die freundlicherweise von Leserin M.H. zugeschickt wurde. Für ähnliche Anregungen sind die BBB immer dankbar.
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