Kölle Alaaf | 6.2.2005 (Prof. Karl Born)6.2.2005: Kölle Alaaf

Wie erfolgreiche Pressearbeit in einer Karnevalshochburg aussieht, konnte man am Faschings-Sonntag in der Welt am Sonntag bestaunen: Ein sehr närrischer Bericht über REWE.
Kommentar Karl Born:
Da hat eine Firma ein kleines Führungsproblem. Der langjährige Patriarch geht (mit einem Hauch von gegangen). Was bis dato undenkbar war, der Abgang bereitet überhaupt keine Probleme. Ein hoffnungsvolles Managementtalent (39 Jahre alt) scharrt schon mit den Hufen und kann kaum erwarten, bis er „dran darf“. Und ab 2004 durfte er endlich. Damit schien klar, auch die nächsten Jahrzehnten werden von ein und demselben Vorstandsvorsitzenden bestimmt, so wie es gute REWE-Tradition ist.
Denkste! Der Neue ist schon weg. Eine Art Management Koitus Interruptus. Nachfolger? Vorerst Fehlanzeige.
Jetzt will es die Tradition dieser Firma, dass die Jahres-Pressekonferenz immer am Aschermittwoch stattfindet. In Köln eine klasse Idee, denn an diesem Tag ist ein kölscher Journalist noch nicht in der Lage, einer solchen Veranstaltung intellektuell zu folgen und kritische Fragen zu stellen. Der frühere Vorstandsvorsitzende wusste, warum er diesen Tag so liebte.
Aber dieses Jahr bestand die Gefahr, dass alles anders werden könnte. Seit Jahrzehnten würde erstmals EINER fehlen, ausgerechnet der V1 (REWE-interne Abkürzung für den Vorstandsvorsitzenden). Dumme Fragen waren zu erwarten, das mag kein Unternehmen. Ein Alptraum nicht nur für den Restvorstand, sondern auch für die Presseabteilung. Es sei denn, letztere hat eine Sternstunde.
Vier minus Eins, was kann man darüber Gutes sagen? Die Antwort kennt in Köln jedes Kind: Dreigestirn! Also initiiert die REWE-Presseabteilung einen Artikel in der Welt am Sonntag, am Faschings-Sonntag wohlgemerkt. Titel: Rewes einiges Dreigestirn. Supergenial! REWE wird von einem Dreigestirn geführt, wer kommt da noch auf die Idee nach einem vierten Vorstand zu fragen? Ein Dreigestirn zu sein, das ist die höchste Perfektionsstufe in Köln! „Die Vorstände der REWE haben gewissermaßen Narrenfreiheit“, so heißt es in diesem Bericht weiter. Was soll ein Dreigestirn wohl sonst haben?
Jetzt schauen wir mal auf die touristische Konkurrenz in Oberursel und Hannover. In beiden Firmen vier Vorstandsmitglieder. Was werden die an Aschermittwoch machen? Zu Viert? Skat spielen und der Vierte holt immer Bier. Das können die „Drei von REWE“ nicht, aber man kann eben nicht alles haben im Leben.
Kölle Alaaf! REWE Alaaf! BBB Alaaf!
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