Der Glos ist los | 6.11.2005 (Prof. Karl Born)6.11.2005: Der Glos ist los

In einem Interview mit der Bild am Sonntag (6.11.2005) erläuterte der so wie es scheint zukünftige (die Halbwertzeit der Kandidaten ist zur Zeit allerdings gering) Wirtschaftsminister Michael Glos: „Wir müssen den Menschen auch den Zusammenhang zwischen Arbeitsmarkt und Kaufverhalten klarmachen. Urlaub kann man zum Beispiel auch in Deutschland machen. Es ist nicht nur in der Karibik schön, sondern auch an der Ostsee und im fränkischen Weinland“. Noch nicht im Amt und schon so daneben.
Kommentar Karl Born:
„Wem Gott gibt ein Amt, dem gibt er auch Verstand“, sagt der Volksmund. Aber leider hat Herr Glos sein Amt nicht von Gott bekommen, sondern von Frau Merkel. Aber was will man von jemanden erwarten, der Angela Merkel und Heide Simonis gleichermaßen zu seinen Freundinnen zählt.
Ist das nicht schizophren, Urlaub in Deutschland zu fordern, weil die Binnennachfrage angekurbelt werden soll und gleichzeitig die Mehrwertsteuer erhöhen zu wollen? Was eine Erhöhung der Mehrwertsteuer hinsichtlich der Binnennachfrage bedeutet, müsste eigentlich auch einem Fast-Wirtschaftsminister klar sein. Und was heißt hier „Zusammenhang mit dem Arbeitsmarkt“? Die Mitarbeiter von Air Berlin und HLX, von Condor und LTU, von TUI und Thomas Cook u. a. bedanken sich bei Herrn Glos für die Gefährdung ihrer Arbeitsplätze.
Wenn schon Urlaub in Deutschland, dann nicht wegen der Ankurbelung der Binnennachfrage oder wegen Terrorgefahren im Ausland, wie Glos Parteifreund Hinsken vor kurzem zu meinen meinte (siehe BBBs „Terrorantworten“ vom 31.7.2005), sondern wegen vielen anderen echten touristischen Gründen (Wer hier nicht ganz auf dem Laufenden ist, dem sei die Homepage der Deutschen Zentrale für Tourismus, DZT, empfohlen).
Aber haben wir in den nächsten Monaten überhaupt Zeit für Urlaub in Deutschland? Der brave deutsche Tourist muss der Political Correctness zuliebe, schließlich vorher noch in anderen Ländern Urlaub machen: - - Urlaub in Südostasien, wegen Tsunami-Schäden. Das haben wir alle, einschließlich Politiker und Tourismusverbandsoberen, fest versprochen, - - Urlaub in Cancun, wegen Schäden durch Hurrikan Wilma, möglichst mit Zwischenlandung in New Orleans wegen Katrina, - - Urlaub in USA sowieso, wegen der Care-Paketen von früher und des Kampfes gegen Terrorismus von heute (wenngleich man bei der Einreise behandelt wird, als habe man keine Persönlichkeitsrechte), - - Urlaub in Jamaika, weil die uns den Namen für eine Koalition leihen wollten, - - Urlaub auf Mallorca, als Dank, dass die Mietwagensteuer nicht kommt, - - Urlaub in Südafrika, als Dank für die Abschaffung von Apartheid, - - Urlaub in der Türkei, um zu zeigen, dass wir sie mögen, nur nicht in der EU (meinen zumindest Glos und Co.), - - Urlaub in Dubai, weil sie so nett zum DRV waren, - - Urlaub in Italien (nahe beim Vatikan), schließlich sind wir Papst, - - Urlaub in Tschechien, weil wir unsere verlorengegangenen Arbeitsplätze besuchen wollen, - - neuerdings auch Urlaub in Libyen, um zu zeigen, dass wir nicht nachtragend sind, - - Urlaub in Österreich, weil wir testen müssen, ob deren „Gastgeber-Charme“ würdig ist, UNESCO-Weltkulturerbe zu werden, - - Urlaub in Portugal, weil sie dringend wieder mehr Urlauber brauchen und weil sie so nette Gastgeber bei der Fußball-Europameisterschaft waren, - - in diesem Zusammenhang auch Urlaub in Griechenland, weil sie freundlicherweise schon in der Qualifikation zur Fußball-WM ausgeschieden sind und wir Deutschen damit eine größere Chance auf den Titel haben, - - und dann notfalls auch Urlaub in Holland, zur Unterstützung für den Deichbau, aber erst nach der Fußball-WM. |