Ab jetzt wird „gekümmert“, nur nicht um die Sprache | 5.2.2007 (Prof. Karl Born)5.2.2007: Ab jetzt wird „gekümmert“, nur nicht um die Sprache

Parallel zur närrischen Kampagne starten die Reisebüros eine eigene Image-Kampagne. Und das ist gut so. Ob es der Titel der Kampagne auch ist, sei dahingestellt. Etwas närrisch ist er schon.
Kommentar Karl Born:
Ab 6. Februar werden Lehrer, die mit ihrer Schulklasse unterwegs sind, die Straßenseite wechseln, sobald ein Reisebüro in Sicht kommt. Der Titel der neuen Kampagne „Reisebüro: Lassen Sie kümmern“, wirft Deutschlands Schüler bei der PISA-Aufholjagd wieder weit zurück. Ursprünglich hätte es mit dem Untertitel weitergehen sollen: „Lieber Findemensch als Suchmaschine“. Da hätte auch Wechseln der Straßenseite nichts mehr genutzt. Nicht nur die Schaufenster der Reisebüros werden voller „Kümmern“ überlaufen, auch in 750 Radio-Spots (zu je 15 Sek.) soll den potenziellen Reisekunden vermittelt werden: „Hier werden Sie geholfen“?
Eine etwas krumme Sprache kann ja auch seine Vorteile haben, wie man weiß. Steht der Düsseldorfer in der Altstadt an einem randvollen Tisch. Kütt der Köbes und stellt jedem ein Alt hin. Säät der großzügige Einheimische: "Schreib dat ma bei misch auf!" Darauf der korrekte Fremde: "Aber das heißt doch: bei mir!" Darauf der Düsseldorfer: "Wenn de meinz..."
Zurück zur Reisebüro-Kampagne. Die Homepage zu dieser Aktion (http://www.lassen-sie-kuemmern.de) sagt worum es geht: Welchen Mehrwert bieten Reisebüros? So einfach (und so richtig) könnte man es auch sagen. Ein guter Reisebüromitarbeiter muss mehr sein als nur ein „Findemensch“, er muss „Mehrwert-Geber“ sein. Wenn die Kunden, als Findemensch in der Suchmaschine, fertig sind („fertig“ mit Zeit und Nerven), dann hat das (gute) Reisebüro (hoffentlich) immer noch einen Mehrwert parat.
Aber, das muss man zugestehen, die „Kümmerer“ waren bereits lernfähig. Zuerst wollten Sie in den Rundfunkspots ihre Qualitäten an den exotischen Orten Ko Phi Phi, Zakynthos und Mpumalanga zeigen. Zumindest letzterer hätte bestimmt die Urlauber in Scharen in die Büros getrieben. Jetzt ist man mit Tobago, Costa Rica und Montenegro zumindest etwas volkstümlicher geworden. Aber um wirklich zu überzeugen, muss das Reisebüro auch einen Mehrwert für Mallorca, Kanarische Inseln, Türkei und andere Hauptreiseziele bieten.
Wie auch immer. Eine Reisebüro-Kampagne war mehr als überfällig und verdient eine Chance. Liebe Reisebüro-Inhaber: Deshalb haben sich die BBBs auch um das Thema „gekümmert“, wegen „die Reklame für Sie“.
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