April, April | 4.4.2005 (Prof. Karl Born)4.4.2005: April, April

Als Aprilscherz bezeichnet man den Brauch, am 1. April seine Mitmenschen durch erfundene oder verfälschte Geschichten hereinzulegen. Angeblich bat an einem 1. April eine junge Unbekannte Heinrich IV, König von Frankreich, der sich jungen Damen sehr geneigt zeigte, schriftlich um ein heimliches Rendezvous in einem diskreten Lustschloss. Als Heinrich zu dem Tête-à-Tête erschienen sei, habe ihn überraschend der versammelte Hofstaat begrüßt, vorgestanden von seiner Gemahlin Maria de Medici, welche ihm untertänigst dafür gedankt haben soll, dass er ihrer Einladung zum „Narrenball“ gefolgt sei (lt. Wikipedia, Aprilscherz). Auch in der Touristik werden wir zunehmend durch Aprilscherze überrascht. Diese müssen nicht immer direkt am 1. des Aprils in Umlauf gesetzt werden und mancher Aprilscherz ist sogar unfreiwillig. Die BBBs haben sich in den letzten Tagen etwas umgesehen.
Kommentar Karl Born:
Was macht einen guten Aprilscherz aus? Erstens, er muss technisch tatsächlich möglich sein. Zweitens, bei genauem Nachdenken muss eigentlich klar sein, dass das erfundene im Prinzip nicht logisch und deswegen eben nur „ein Scherz“ sei. Ersteres zeichnet denjenigen aus, der einen Aprilscherz verbreitet, letzteres zeichnet jene aus, die sich nicht „in den April“ schicken lassen.
Unter diesem Gesichtspunkt darf man das Gerücht, dass Hapag-Lloyd Flug künftig Hapagfly heißen soll, als sehr gelungenen Scherz bezeichnen. Entsprechend obiger Beschreibung wäre es natürlich möglich (Branchenspott: „Denen in Hannover ist alles zuzutrauen“), bei realistischem Nachdenken macht es aber keinen Sinn. Nur durch „Draufschreiben von Hapagfly“ kommt genauso wenig „Innovation und Modernität“ in die Firma, wie in einem anderen Fall durch „Draufschreiben von Thomas Cook Airline“ keine 160 Jahre Erfahrung in deren Flugzeuge kamen. Jetzt gibt es Branchenkenner, die zu wissen glauben, das das Ganze kein Aprilscherz, sondern ernst gemeint sei. Na, ja, nicht jeder Aprilscherz wird gleich am nächsten Tag aufgedeckt. Die BBBs bieten jedenfalls eine Wette an: Sollte die Namensänderung ernst gemeint sein, dann ist bei der dann gegebenen Nähe zu HLX einer der beiden Namen innerhalb der nächsten 24 Monaten verschwunden!
Ebenfalls etwas länger hat es gedauert, bis ein anderer „Scherz“ aufgedeckt wurde. Im Dezember letzten Jahres wurde der 10%-Einstieg von RIU bei TUI noch als geniales Ergebnis für TUI-Chef Dr. Frenzel gefeiert. Jetzt, pünktlich zum Aprilbeginn, rief Carmen Riu „April, April, reingefallen“ und verkaufte fast die Hälfte des Anteils. Für die RIU-Kasse gab dies einen schönen außerordentlichen Zusatzertrag (in zweistelliger Millionenhöhe). Für den TUI-Kurs war es der Beginn einer Abwärtsfahrt, weil einige Analysten hinter dem Verkauf mehr als einen Aprilscherz vermuteten. Ob Dr. Frenzel sich danach ein wenig wie oben zitierter Heinrich IV. gefühlt hat ist nicht überliefert. Wahrscheinlich galt für Carmen Riu aber nur der Spruch „Lieber einen Freund verlieren, als einen guten Gag verschenken“.
Aus Österreich haben die BBBs gehört, dass Fluggesellschaften künftig EU-weit bei den Finanzämtern grundsätzlich als „NPOs“ (Non-Profit-Organisations) geführt werden sollen. Dies könnte mehr als ein Scherz sein, insbesondere wenn staatliche Steuerfuzzies das Thema Kerosinsteuer weiter vorantreiben würden.
Kein Aprilscherz ist, dass Lufthansa am 1. April 50 Jahre alt wurde. Unabhängig davon wie man zu Lufthansa steht, deren Umgang mit Kunden manchmal zwischen Weltklasse (im oberen Marktsegment) und Kreisklasse (im unteren Segment) schwankt: Sie ist und bleibt, unabhängig von den Beteiligungsverhältnissen, unsere nationale Airline. Für manchen Fluggast, der nach längerem Auslandsaufenthalt auf fernen Kontinenten, wieder vor dem Flieger mit dem Kranich stand, löste sie erste Heimatgefühle aus. Deshalb hier an dieser Stelle: Einen herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag und alles Gute für die nächsten 50 Jahre. Bei dieser Gelegenheit sei nochmals auf die mit Abstand meistgelesene BBB „Die Lufthansa-Stewardess hat gelächelt“ (14.10.2002) hingewiesen. Übrigens hat Lufthansa diese „unbekannte Stewardess“ ausfindig gemacht. Sie hat sich erfreulicherweise bei den BBBs gemeldet und ist immer noch treue BBB-Leserin. Nochmals vielen Dank.
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Zum Abschluss einen kleinen Hinweis in eigener Sache: Nächste Woche haben die BBBs Jubiläum: Die 200. Ausgabe! An diesem Tag würden wir gerne Leser-BBBs veröffentlichen. Wer eine gute BBB-würdige Geschichte kennt, möge sie bitte schicken an post@karl-born.de. Geben Sie bitte dabei an, ob diese Geschichte mit oder ohne Ihren Namen veröffentlicht werden kann!
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