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28.04.2003 Der Lobgenerator

Die Zeiten sind schlecht, fast für alle. In der Touristik fehlt es an Nachfrage. Die Mitarbeiter vermissen noch etwas anderes, das sie gerade jetzt motivieren sollte: Lob! Das ist nicht länger ein Problem. Dafür gibt es ab sofort den Lobgenerator von ebay. Kurz anklicken und es gibt Lob ohne Ende, für den Job, für das Aussehen, für einfach alles.
Kommentar Karl Born:
Was für den Künstler der Applaus, ist für den Mitarbeiter das Lob: Verdienter Lohn für gut getane Arbeit. Leider sehen die meisten Vorgesetzten schon das Ausbleiben von Tadel als Lob. Stress und Kälte sind allerdings eine besonders üble Mischung. Insbesondere wenn Stellenabbau ansteht und neben der vorgeschriebenen Sozialauswahl auch Leistung Berücksichtigung finden soll, möchten die Mitarbeiter etwas zum vorzeigen haben. Lob für gute Arbeit. Im Zweifelsfall muss man zum Selbstversorger werden mit dem Lobgenerator. Ein schneller Klick auf www.lobgenerator.de und das gewünschte sprudelt. „Gratuliere, das war eine Meisterleistung“, wann hat man dieses Lob zum letzten mal gehört. „Du arbeitest mit an der Zukunft“, kaum ein Chef ist zu einem so kreativen Satz fähig. Natürlich lauern hier auch Gefahren. Das Lob „Du bist unbezahlbar“, könnte gerade in der jetzigen Situation sich als vergiftet erweisen. Über „Was, du bist schon fertig, Mensch bist du schnell“ sollte man auch erst nachdenken, bevor man es bei der falschen Party zitiert.
Nachdem im Rahmen der allgemeinen Sparmaßnahmen auch mit Lob sparsamer umgegangen werden soll, wurden in den Firmen die ersten Lobgeneratoren zur Selbstbedienung aufgestellt. Spät nachts soll man auch schon den einen oder anderen Chef dort gesehen haben, insbesondere nach Aufsichtsratssitzungen.
Für jene, die die Bedeutung dieser sensationellen Erfindung noch unterschätzen, sei Marie von Ebner-Eschenbach zitiert: „Dafür, dass uns am Lobe nichts liegt, wollen wir besonders gelobt sein.“ Nietzsche meinte zwar: „Im Lobe ist mehr Zudringlichkeit als im Tadel“. Aber ehrlich, auch mit dieser Zudringlichkeit kann man gut leben.
Und wenn diese Bemerkungen zu Ende geschrieben sind, wird als erstes www.lobgenerator.de angeklickt.
21.04.2003 100mal gebissen und alle leben noch

Gerade rechtzeitig zur 100. Ausgabe der „Bissigen Bemerkungen“ gibt es ein „Sonderangebot“ der katholischen Kirche. Wegen der Ausbreitung von SARS hat die katholische Kirche ihren Priestern in Singapur die persönliche Abnahme der Beichte verboten, stattdessen gibt es pauschale Vergebung. Die Kirche lasse das allgemeine Vergeben von Sünden in Zeiten „schwerer Not“ zu (wie praktisch für Sünder und Priester!). Diese Chance der pauschalen Vergebung nehmen auch die BBBs für die ersten 100 Bisse in Anspruch, denn schließlich ist die Touristik ebenfalls in „schwerer Not“.
Kommentar Karl Born:
Kaum wurde die Pauschal-Vergebung in Anspruch genommen, kommt schon die Versuchung für den ersten der nächsten 100 Bisse. Da hält man sich am besten an Oscar Wilde: „Der einzige Weg eine Versuchung loszuwerden, ist ihr nachzugeben“ (Das Bildnis des Dorian Gray). Also! Nachricht: Philippinen verfügen Lachverbot in Aufzügen (wegen SARS). Kommentar: In den meisten Firmen hierzulande müsste man dieses nicht verbieten. Selbst in den Fahrstühlen ist den Mitarbeitern inzwischen das Lachen vergangen.
Zum Abschluss noch eine andere Variante von Oscar Wilde zum Thema Versuchung: "Wenn die Versuchung kommt gib ihr nach. Wer weiß, ob sie wiederkommt." Ein Leser der BBB hat hierzu passend den Ausspruch seines Kaplans nachgereicht: "Man muss auch mal auf ein Opfer verzichten können." Das hat "Dornenvögel"-Niveau!
14.04.2003 Gender Mainstreaming

Die EU-Sozialkommissarin Anna Diamantopoulou will in einer Richtlinie zur Gleichstellung der Geschlechter Nachtclubs vorschreiben, Frauen keinen freien Eintritt zu gewähren, wenn Männer zahlen müssen.
Kommentar Karl Born:
Mit dem Inkrafttreten des Vertrages von Amsterdam hat die Gemeinschaft die Aufgabe übernommen, die Gleichstellung von Männern und Frauen zu fördern. Die praktische Umsetzung des Mainstreaming ist in der Rahmenstrategie der Gemeinschaft für die Gleichstellung von Frauen und Männern (2001-2005) dargelegt. Diese Strategie wird durch ein Finanzprogramm in Höhe von 50 Millionen Euro unterstützt. Verantwortlich für die Umsetzung ist die 44-jährige griechische EU-Kommissarin Anna Diamantopoulou, ehemalige Generalsekretärin der Volkshochschule und angeblich eine enge Vertraute des griechischen Ministerpräsidenten Simitis. Die EU-Kommissarin hat sich jetzt u.a. zum Ziel gesetzt, auch hinsichtlich Eintritt im Nachtclub Gleichberechtigung walten zu lassen. Ohne dass die hervorragende Bedeutung dieser Initiative in Zweifel gezogen werden soll, darf bescheiden darauf aufmerksam gemacht werden, dass die Förderung des Aufenthaltes von Frauen in Nachtklubs (z.B. durch freien oder ermäßigten Eintritt) nicht unbegründet war. Nach einer Studie der Experten-Zeitschrift „Freundin“ vom letzten Jahr sprudeln bei Frauen pro Tag 23.000 Wörter heraus. Der „Wortausstoß“ bei Männern ist leider nur halb so groß. Grund: Während der Mann mit der rechten Gehirnhälfte den Tag verarbeitet, stellt seine linke Gehirnhälfte, die er zum Zuhören und Reden braucht, vorübergehend den Betrieb ein. Ergo, mit weniger Frauen im Nachtclub würde es dort so ruhig wie im Benediktiner-Kloster zugehen.
Ganz andere Sorgen mit Mainstreaming hat z.B. die Fluggesellschaft LTU. Dort kämpfen die männlichen Flugbegleiter um Gleichberechtigung. Auf den meisten Sonderflügen besteht die überwiegend männliche Kundschaft darauf von weiblichem Kabinenpersonal umsorgt zu werden. Die LTU-Geschäftsführung muss sich jetzt zwischen „Kundenzufriedenheit“ oder „Gleichberechtigung“ entscheiden. Oder dritte Variante: LTU bemüht sich zum Ausgleich verstärkt um Kundschaft, die ausdrücklich männliche Flugbegleiter verlangt. Man darf gespannt sein.
An einer bedeutenden Hochschule dieser Republik, der zweitgrößten für Tourismus und gerade mit dem Preis „best practice 2003“ ausgezeichnet, sieht die Problematik von gender mainstreaming wiederum ganz anders aus: Eine Rektorin, eine amtierende Kanzlerin, eine Dekanin für Wirtschaftswissenschaften und eine Koordinatorin für Tourismus. Die zu fast 90% weibliche Studentenschaft hat dort klare Vorstellungen wie künftig die Chefetagen der Tourismusbranche auszusehen haben. Ein Antrag auf Artenschutz für männliche Profs soll in Kürze eingereicht werden.
Liebe Leserinnen und Leser der Bissigen Bemerkungen, nächstes Wochenende bringt der Osterhase bzw. die Osterhäsin (viele Grüße an Frau Diamantopoulou) nicht nur viele bunte Ostereier (gibt es davon auch eine weibliche Form?), sondern auch die 100. Ausgabe der Bissigen Bemerkungen. Lassen Sie sich überraschen! 07.04.2003 Oliver Kahn stolpert auch über TUI

Der Torhüter der deutschen Fußball-Nationalmannschaft ist schon über manches gestolpert. Meistens war es blond, zuletzt war es rot.
Kommentar Karl Born:
Die Buchungszahlen in der Reisebranche sehen zur Zeit wirklich nicht gut aus. Selbst über Ostern gibt es in den Ferienfliegern und ?hotels noch viel Platz. Eigentlich sollten die Reiseveranstalter jetzt um jeden Kunden kämpfen und ihn auf Händen tragen. Weit gefehlt. Jüngst musste sogar unser National-Torhüter Oliver Kahn erfahren wie TUI mit ihren Gästen umgeht.
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