Um bei Thomas Cook zu arbeiten, sollte man schmerzunempfindlich sein | 30.5.2005 (Prof. Karl Born)30.5.2005: Um bei Thomas Cook zu arbeiten, sollte man schmerzunempfindlich sein

Thomas Holtrop, Ex-Chef der Telekomtochter T-Online, wird neuer Chef von Thomas Cook. Die Mitarbeiter von Thomas Cook werden auch diese Entscheidung überleben. Neue Chefs machen immer Freude: Wenn nicht beim Kommen, dann beim Gehen. Und wenn Wolfgang Beeser sich ein oder zwei Jährchen ausgeruht hat, kann er zum Aufräumen mal wieder kurz vorbeischauen.
Kommentar Karl Born:
Ende des letzten Jahrzehnts glaubten die Gesellschafter Lufthansa und Karstadt, sie bräuchten an der Spitze ihres Tochterunternehmens Thomas Cook einen Visionär. Der bisherige Chef Wolfgang Beeser, ein etwas mehr bodenständiger Typ, hatte von da an frei. Ende 2003 zogen die Gesellschafter angesichts der katastrophalen Ergebnisse die Reißleine und holten Beeser zurück. Für die negativen Schlagzeilen sorgten von da an die Gesellschafter selbst, insbesondere KarstadtQuelle. Das Handelsunternehmen kämpfte um das eigene Überleben und hätte Thomas Cook gerne in Zahlung gegeben (siehe BBBs vom 6.12.2004 „Rabenmütter“ und vom 17.4.2005 „Tochter verpfändet und zum Kauf angeboten“).
Kaum ist Thomas Cook (trotzdem) auf gutem Weg, fangen die Gesellschafter (wahrscheinlich insbesondere KarstadtQuelle-Boss Middelhoff) wieder „zu zündeln“ an und fanden mit Thomas Holtrop einen neuen Thomas Cook-Chef mit frappierender Ähnlichkeit zu seinem Vor-Vorgänger Stefan Pichler. Entsprechend auch das Presseecho: „Auf keinem Posten und in keiner Stadt hielt es den umtriebigen Macher lange Zeit“ (Die Welt, 28.5.), „begnadeter Selbstdarsteller“ und „Absteiger im Aufwind“ (SZ, 28.5.).
Fast seherische Fähigkeiten hatte kurz zuvor die Branchen-Fachzeitschrift FVW. In der regelmäßigen Glosse „Der kleine Lauschangriff“ wird über ein (fiktives) Selbstgespräch von KarstadtQuelle-Chef Thomas Middelhoff mit seinem Spiegelbild berichtet. In diesem „Gespräch“ erwägt Middelhoff selbst Chef von Thomas Cook zu werden. Zitat: „Von Touristik versteht schließlich jeder was. Und nach zwei Jahren Sanierung könnte Thomas Cook auch mal wieder einen echten Visionär an der Spitze vertragen“. Reales Ergebnis: Wenn es Middelhoff nicht selbst machen kann, dann schickt er seine kleinere Kopie.
Der Blick in die Zukunft ist einfach. Wieder mal wird ("endlich") die Touristik „neu erfunden“ mit mehr Internet, weniger Reisebüro und weniger Mitarbeiter. Davon hatte schon Ex-Karstadt-Chef Urban geträumt: Dienstleistung ohne Mitarbeiter.
Die BBBs fürchten: Wolfgang Beeser wird seinen zweiten Anlauf in den Ruhestand nicht lange genießen können. Schaun mer mal! |