Der retuschierte Vorstand | 30.1.2005 (Prof. Karl Born)30.1.2005: Der retuschierte Vorstand

Siemens hat gerade einen Profitrekord geschafft, will aber 1.350 Stellen streichen. Da hielten es die PR-Experten des Konzerns für geboten, ihren neuen Chef Klaus Kleinfeld als bescheidenen Menschen zu präsentieren. Während auf dem im Sommer veröffentlichten Foto, eine auffällige, mehrere Tausend Euro teure Rolex am Armgelenk zu sehen ist, trägt Kleinfeld neuerdings auf dem gleichen offiziellen Pressefoto plötzlich überhaupt keine Armbanduhr mehr. Sie ist offensichtlich digital getilgt worden. (Quelle: Spiegel online, 28.1.2005)
Kommentar Karl Born:
Die Vorstände haben es nicht immer einfach sich gegen ihre PR-Strategen zu behaupten. Angeblich sollen jetzt auch schon in der Reisebranche erste retuschierte Fotos aufgetaucht sein. Natürlich liegen diese Fotos den BBBs vor. Beim Vorstand Renz (Name aus Datenschutzgründen geändert) wurde das GPS-Gerät vom Rennrad entfernt, weil der (natürlich falsche) Eindruck von Orientierungslosigkeit vermieden werden soll. Beim Vorstand Rese (Namen ebenfalls geändert), wurde der Tischtennisschläger in seiner Hand wegretuschiert und durch ein Planungshandbuch ersetzt, um zu zeigen, wie der Chef auch in seiner Freizeit sich mit betrieblichen Problemen beschäftigt. Bei mehreren Topmanagern (Anzahl ebenfalls geändert) wurde auf dem Familienfoto eines von mehreren Kindern wegretuschiert und durch einen großen Teddybären ersetzt, um nicht den Eindruck zu großer Häuslichkeit entstehen zu lassen. Bei der Managerin Dorf (Name ebenfalls geändert) wurde der Rocksaum deutlich nach unten verlängert, um zu suggerieren, dass nicht Erotik ihre schärfste Waffe sei. Dafür wurden zwei Stirnfalten nachträglich digital eingearbeitet, um den Ausdruck des Nachdenkens zu vertiefen. Noch schlimmer erwische es den Vorstand Huber (Name ebenfalls geändert), dessen Kopf (im Bild) durch einen weiblichen Kopf digital ersetzt wurde, um angesichts der vielen weiblichen Beschäftigten in seinem Unternehmen, eine akzeptable Frauenquote im Vorstand vorzugaukeln.
Liebe BBB-Leser, falls auch Sie noch retuschierte Vorstandbilder entdecken, bitten wir um Information. Die BBBs kämpfen dafür Manipulationen aufzudecken, Touristik ist schließlich kein Fußballspiel.
-------------------- Nachtrag zu den BBBs von letzter Woche: „Nach Beratungen mit dem Weltsicherheitsrat in New York erinnerte diese Woche der Unter-Generalsekretär und Uno-Koordinator für Nothilfemaßnahmen Jan Egeland daran, dass in Afrika Jahr für Jahr Hunderttausende Menschen aus Mangel an Nahrung, sauberem Wasser und Medikamenten sterben. Deshalb müsse die Welt jetzt Afrika ebenso großzügig helfen wie den Tsunami-Opfern in Asien.“ Quelle: Spiegel online 28.1.2005. Kommentar: Spät, wahrscheinlich zu spät kommt dieser Appell. Die überaus große Spendenbereitschaft der Welt lässt sich nicht noch einmal ankurbeln. Und in Deutschland sind die Menschen froh, dass sie mit ihrer Betroffenheit gerade noch rechtzeitig vor Fasching zu Ende gekommen sind.
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