BBB-Newsletter: jede Woche "Bissiges" per email (Info)


Borns "bissige" Bemerkungen ist die montägliche Kolumne rund um das aktuelle Geschehen in der Welt, speziell in der Tourismuswirtschaft. BBB erscheint seit März 2001 jeden Montag auf diesen Webseiten und als kostenloser email-Newsletter. Im Archiv finden Sie über 100 Kommentare zu den verschiedensten Themen und Anlässen.

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31.03.2003 Barbesitzer erschießt Computer


Im US-Staat Colorado hat ein cholerischer Barbesitzer seinen Computer erschossen, weil er sich über die häufigen Abstürze geärgert hatte. Den zerschossenen Computer hat er anschließend als „Trophäe“ in seiner Kneipe aufgehängt.



Kommentar Karl Born:

Jetzt zu sagen, „so sind die Amerikaner, wenn es nicht nach ihrem Willen geht, dann greifen sie zur Gewalt“, würde zwar populistisch in die Zeit passen, aber dem Thema PC nicht gerecht werden. Nach einer Studie des Zubehörherstellers Novatech sollen 25% der befragten User zugegeben haben, im PC-Notfall zur Gewalt zu greifen. Faustschläge, Fußtritte, Kaffee und alkoholische Getränke über die Tastatur schütten oder den kompletten Bildschirm durch das Zimmer werfen, sind die gewöhnlichen Tätlichkeiten jener, die keine Geduld mehr haben den Vorschlägen unverständlicher Gebrauchsanweisungen zu folgen. Die nicht gewalttätigen restlichen 75% sind zumindest in mehr oder weniger regelmäßigen Abständen Verbal-Täter.

Dabei sind nicht nur PC-Abstürze oder quälend lange Wartezeiten auf die nächste Datei Grund für Wutausbrüche. Aus den Büros der Flug-Disponenten bei den Veranstaltern und Airlines wird berichtet, dass die Wutausbrüche gegenüber dem PC, nach dem Aufruf der täglichen Buchungsstatistik, den Tatbestand schwerer und strafrechtlich relevanter Beleidigung erfüllen. Nur die hierzulande strengeren Waffengesetze haben bislang manchem dieser PCs das Leben gerettet.



Zuletzt noch eine Beobachtung am Rande des fantastischen Boxkampfes von „Tiger“ Dariusz Michalczewski (herzlichen Glückwunsch zu diesem Sieg). Wenn vor einem halben Jahr, an dieser Stelle vorhergesagt worden wäre, seriös aussehende Menschen würden in Hamburg beim Spielen der amerikanischen Nationalhymne sitzen bleiben und bei der polnischen Hymne aufstehen, wäre man als verrückt oder als übriggebliebener Kommunist verschrieen worden.

24.03.2003 Jetzt erst recht


Der Angriff der alliierten Streitkräfte zum Sturz des Diktators Saddam Hussein hat begonnen. Die Tourismusindustrie hat unterschiedlich darauf reagiert. Schon während der Zeit des Ultimatums haben die Reiseveranstalter erfreulicherweise kostenlose Umbuchungen für die in den Augen der Kunden "moslemischen" Ländern angeboten. Wesentlich offensiver und fast vorbildlich für die Reisebranche ging (wieder einmal) Kögels L`tur das Thema an. „Jetzt erst recht“ war die Headline auf der eigenen Homepage und über der Anzeige in BILD am Sonntag. Eher skurril die Klageandrohung von billigweg.de gegen den amerikanischen Staat.

Kommentar Karl Born:

Oft hat man der Reisebranche vorgeworfen, sie würde zu langsam reagieren. Dieses mal war sie noch schneller als Bushs Truppen. Bereits einen Tag vor Ablauf des Ultimatums wurden kostenlose Umbuchungen für die Türkei, Ägypten, Tunesien, Marokko, Zypern und die Arabischen Emirate angeboten. Objektiv dürfte das Risiko für die Urlauber dort nicht höher sein als in Frankfurt, London oder Paris. Aber subjektiv empfinden die Urlauber es eben anders. Das entscheidende ist „wie der Kunde denkt“, somit war die Maßnahme sicherlich notwendig.

Nicht nur noch besser, sondern direkt vorbildlich, ist wieder einmal L`tur mit der aktuellen Situation umgegangen. Als erstes Reiseunternehmen hat man mit der Headline „Jetzt erst recht!“ die Defensive verlassen und ist in die Marketing-Offensive gegangen. „Jetzt erst recht“, so lautet angesichts der Unfallzahlen die (erfolgreiche) Politik der Autoindustrie schon seit Jahren.

Den absoluten „Vogel abgeschossen“ (Harald Schmidt würde jetzt die rhetorische Frage stellen: Darf man eine solche Metapher in diesen Zeiten verwenden?) hat der Feriendiscounter billigweg.de Reisen. Billigweg-Chef Lambeck droht der US-Administration mit einer Millionenklage falls sie ihre Außenpolitik nicht bis zum 31.3. ändert. Präsident Bush soll sich fürchterlich erschrocken und sofort Powell, Rumsfeld und Rice zu einer Krisenkonferenz zusammengerufen haben. Armer Schröder, armer Fischer, das gibt wieder einen auf die Mütze.
Durch diese Klage angeregt, überlegt jetzt der Tourismusminister der Balearen, ob er nicht den Papst (als Gottes-Stellvertreter) für das Sch...Wetter auf den Balearen in letzter Zeit verklagen soll.

Eine Anmerkung zum Schluss: Dem Tourismus könnte in der „Zeit danach“ eine zwar nicht entscheidende, jedoch hilfreiche Rolle zukommen. Wenn die Behauptung richtig ist, dass Tourismus eine Industrie sei, die sehr schnell Geld ins Land bringt (wovon man ausgehen kann), dann könnten Reisen in den Irak, in dieses geschichtlich so überaus faszinierende Land, einen kleinen Beitrag zum Wiederaufbau leisten.

Und noch eine letzte Anmerkung zum Schluss aus der Sicht jener (Mehrheit?) die nicht demonstriert haben: Die Meinung man könne einen Diktator friedlich entwaffnen hat ungefähr die gleiche Realisierungschance, wie der Wunsch einem Haifisch in Freundschaft die Zähne zu ziehen.
Ausnahmsweise sei Olaf Henkel zitiert: Wenn Chamberlain und Kollegen 1938 in München anders entschieden hätten, hätte es in Europa in den Jahren danach wahrscheinlich Millionen Kriegstote weniger gegeben.

17.03.2003 Ausziehen für einen guten Zweck


Nach der Pleite der zweitgrößten französischen Fluggesellschaft Air Lib wollen Beschäftigte der Airline ihren Kollegen mit Nacktfotos unter die Arme greifen. Stewardesse, Stewards, Piloten und Mechaniker ließen für diesen guten Zweck ganz oder teilweise ihre Kleidung fallen. Die Aufnahmen sind in Kalender zu bewundern, die zu Gunsten der arbeitslos gewordenen Mitarbeiter verkauft werden.


Kommentar Karl Born:

„Ausziehen für einen guten Zweck“ haben schon viele gemacht, wobei der gute Zweck zumeist den gleichen Namen hatte: Geld. Andere, wie z.B. die Volleyball-Nationalmannschaft der Damen, machten es um Aufmerksamkeit zu erzielen. Wiederum andere entblätterten sich um zu protestieren, wie z.B. bei der Aktion „Nackt gegen Pelz“. Alle diese Motive zusammen, waren wohl Beweggründe für die Beschäftigten der Fluggesellschaft Air Lib einen Katalog mit Nacktaufnahmen zu präsentieren.
Angesichts der bekannt schwierigen Situation in der Reiseindustrie könnte diese Aktion bei den Beschäftigten der Branche schnell Nachahmer finden. Insider fallen sofort Namen ein, die einem solchen Kalender Attraktivität verleihen könnten und im Vergleich dazu den berühmten Pirelli-Kalender schnell schwach aussehen lassen würden.

Nach bislang noch unbestätigten Meldungen, soll es bereits beim BTW (Bundesverband der Tourismuswirtschaft) erste Gespräche über einen entsprechenden Vorschlag für die notleidende Touristik-Branche gegeben haben. Dazu soll in den nächsten Tagen ein Fragebogen an die Beschäftigten der Branche versandt werden mit folgenden Fragen:
1. Halten Sie die Aktion „Nacktfotos für arbeitslose Kollegen“ für ein probates Mittel?
2. Sollten die Vorstände und Geschäftsführer der großen Reiseunternehmen hierbei mit gutem Beispiel vorangehen?
3. Wären Nacktfotos dieses Personenkreises für den Absatz des Kalenders eher hilfreich oder eher schädlich?

12.3.2003 Deutschland sucht den Superstar


Die Entscheidung bei DSDS ist gefallen. Alexander hat gewonnen, der Outsider Daniel im Halbfinale gescheitert. Auch Focus suchte den Superstar, mit ebenfalls nur geringen Überraschungen. Verblüffend dagegen die Parallele, dass RTL mit dieser Sendung alle Wertschöpfungsstufen besetzt, wie wir es von den integrierten Reisekonzerne her kennen.
Zuletzt noch einen Rückblick auf die ITB und warum genau das Gegenteil des Beabsichtigten erreicht wurde.


Kommentar Karl Born:











Wenn nur
ein einziger Wettbewerb über Sieg oder Niederlage entscheidet, dann
kann es überraschende Sieger bzw. Verlierer geben. Bei allen Wettbewerben,
die über einen längeren Zeitraum gehen, gewinnen immer die Favoriten.
Im Fußball sind es immer die Bayern, Frage nur wie groß ist
der Abstand (wenn auch zwischendurch mal kurz unterbrochen vom BVB). Bei
DSDS gewann letztlich haushoch der Favorit Alexander, überraschend
nur die Höhe des Vorsprungs gegenüber der Zweiten, Juliette. Schon
im Halbfinale gescheitert war der Hecht im Karpfenteich, der „schräge
Daniel“.

Ähnlich sieht es mit der alljährlichen Rangliste der Super-Touristiker
im Focus aus. Die Reihenfolge auf den ersten Plätzen war zu erwarten,
überraschend höchstens wie deutlich der Abstand zwischen Eins
und Zwei definiert wurde. Und jener, der in der Touristik mit deutlichem
Gefallen die Rolle des Außenseiters spielt, so eine Art „Touristik-Daniel“,
Willi Verhuven, wurde klar auf die Plätze verwiesen.

Wesentlich überraschender ist jedoch die Parallele, wie RTL jede Stufe
der Wertschöpfungskette besetzt, ähnliches kennen wir als „Erfolgsmodell“
von den Integrierten Touristikkonzernen. Hier ein interessanter Vergleich:



























Integrierter
Touristikkonzern (Beispiele von TUI bzw. Thomas Cook)
DSDS
Eigene
Reisebüros (First Reisebüros bzw. Thomas
Cook Reisebüros)
Casting
Grundy Light Entertainment (RTL-Tochter)
Veranstalter
(TUI bzw Thomas Cook)
Produktion
Grundy Light (RTL-Tochter)
Eigene
Airline (Hapag–Lloyd bzw. Th. Cook, ex Condor)
TV
(RTL + VOX, RTL-Tochter)
Eigene
Ferienhotels (RIU bzw Iberostar)
Fanartikel
RTL-Enterprises (RTL-Tochter)
Eigene
Incoming-Agentur usw. usw.

Zuletzt noch
eine Bemerkung zur ITB 2003. Heftig war im Vorfeld die Diskussion, ob man
jetzt auf der ITB (aus Kostengründen) fehlen dürfe. Man müsse
„Zeichen setzen“, etwas für den „Stimmungsumschwung
tun“. Rückblickend und für den kritischen Betrachter nicht
unerwartet, kann man feststellen: Die ITB hat genau das Gegenteil bewirkt.
Alle Berichte in TV, Radio und Print haben sehr ausführlich die schlechte
Lage im Tourismus dargestellt, sodass auch dem letzten Unwissenden jetzt
klar ist „wer auf Urlaub verzichtet, befindet sich in bester trendy
Gesellschaft“. Womit bewiesen wäre, die ITB ist nicht geeignet
Trends umzukehren, sondern sie funktioniert nur als Trendverstärker,
in guten wie in schlechten Zeiten.

3.3.2003 Helau und Alaaf: Hannover und Oberursel besser als Mainz und Köln


TUI wird Billig-Veranstalter und verkauft künftig über Aldi. Thomas Cook löst die zweite Hierarchieebene auf und streicht die Repräsentationskosten. Die Medien überschlugen sich mit diesen Meldungen, dabei war alles nur ein Faschingsscherz.
Oder etwa nicht?


Kommentar Karl Born:

Die lieblichen Städte Hannover und Oberursel waren bislang nicht gerade als Karnevalshochburgen bekannt. Aber dieses Jahr hatte TUI-Boss Dr. Frenzel ausgerechnet am Faschingssonntag Geburtstag und so dachte er sich einen besonderen Faschingsgag aus. Für ihn war es die Gelegenheit, auch den Rest des trockenen Banker-Images abzulegen und endlich ein „richtiger“ Touristiker zu werden, denen bekanntlich der Schalk immer im Nacken sitzt.

Also gab er der Branchen-Fachzeitschrift Touristik Report ein Interview, in dem er die bislang heilige TUI-Geschäftsphilosophie komplett auf den Kopf stellte. Nicht mehr Qualität, sondern „billig“ sei die künftige Marschroute. Zu den no frills-Flugzeugen kommen die no frills-Hotels. Es wird ein neuer Veranstalter eingeführt, noch unterhalb von 1-2-fly. Hapag-Lloyd-Flug muss mit den Kosten unterhalb der Low-Cost-Carrier gehen, es gibt künftig keine Last-Minute-Preise mehr, sondern Urlaubsreisen werden immer teurer, je näher es zum Abflug kommt. Die Medien überschlugen sich. „TUI stellt Preissystem auf den Kopf“ oder „Frenzel läutet neue Zeitrechnung bei den Veranstaltern ein“ so lauteten unisono die Überschriften quer durch den Blätterwald. Um die Sache noch glaubhafter zu machen, verkündete er, dass Hapag-Lloyd-Flug einen ausgesprochenen Cost-Cutter als neuen Chef bekäme und er lobte ausdrücklich den sagenhaften Erfolg von Hapag-Lloyd-Express und die sensationelle Auslastung der Flugzeuge. Leider war kein Mikrofon in der Nähe und so hörte man nicht, wie er dabei vergnügt den Faschingsschlager „uijuiuiuiui auwauwauwau“ vor sich hinpfiff. Der absolut größte Gag war jedoch, das Gerücht zu streuen, künftig würden TUI-Reisen über Aldi verkauft werden. Diese Meldung raste nicht nur wie ein Wirbelwind durch den Blätterwald, auch Radio und Fernsehen brachten diese Sensationsmeldung. Dummerweise vergaß die TUI-Presseabteilung der Börse vorab Bescheid zu sagen und so sauste der TUI-Kurs an dem der Telekom vorbei, leider in die falsche Richtung.

Das ließ natürlich Frenzels Dauerkonkurrenten Pichler, Chef des zweitgrößten europäischen Touristikkonzerns Thomas Cook nicht ruhen. Er verkündete ein neues Sparprogramm, obwohl nach landläufiger Meinung die Thomas Cook-Zentrale in Oberursel schon fast als kostenfreie Zone gilt. Die Reise- und Repräsentationskosten sollen um weitere 25% gesenkt werden. Auch diese Meldung fand sich quer durch die deutsche Presse wieder. Insider merkten natürlich sofort den Joke, denn bei Thomas Cook diese Kosten um weitere 25% senken zu können liegt auf der Wahrscheinlichkeitsskala auf gleicher Höhe, wie jemanden nach Verlassen des Finanzamtes noch berauben zu können. Außerdem sollen so schöne Titel wie Bereichsvorstand gestrichen werden, das zweithöchste Sakrileg in einer Firma, nur noch zu überbieten, wenn man dem Management Dienstfahrzeuge mit kleinerem Hubraum zumutet.

Um die Sache auf die Spitze zu treiben, gaben dann Frenzel und Pichler der FVW in Hamburg erstmals ein gemeinsames Interview. Demnach würde in der Branche nichts mehr so sein, wie es einmal war. „Die Preiskurve wird umgedreht“, die „Low-Costs sind die Könige“ usw. usw. Große Klasse, dieses Zusammenspiel der beiden Bosse. Kaum zu glauben, dass es vorher nicht eingeübt gewesen sein sollte. Der größte Genuss war jedoch das Titelbild. Frenzel und Pichler parodieren zusammen ein Bild wie vom spanischen Königshof, da haben sich beide übertroffen. Dabei konnte der kundige Betrachter feststellen, dass Frenzels Rolex das letzte TUI-Sparprogramm gut überstanden hat. Leider ist ein entsprechender Rückschluß bei Pichler nicht möglich.

Doch wie immer an Fasching, am Aschermittwoch ist alles vorbei:
TUI wird wieder zum Qualitätsanbieter und wird sicherlich (endlich) verkünden, worin der Mehrwert liegt, klassischen TUI-Urlaub zu buchen. 1-2-fly wird wieder zur preislichen Speerspitze. Hapag-Lloyd-Flug bekommt ein Leistungsprogramm verordnet und Hapag-Lloyd-Express muss Druck machen, damit endlich die Flieger voll werden.
Bei Thomas Cook dürfen doch alle zur ITB, schließlich hat man wieder einen eigenen ITB-Stand. Und der Lieblingsitaliener um die Ecke darf sich weiterhin auf den Besuch der Bereichsvorstände freuen.

Kompliment, die Insider hatten ihren Spaß und die legendäre LTU-Faschingsfete endlich ein Gegengewicht. Vielen Dank an die Initiatoren und Dr. Frenzel hatte garantiert einen schönen Faschingssonntags-Geburtstag (herzlichen Glückwunsch nachträglich).

Der Katzenjammer dieses Scherzes könnte allerdings noch kommen. Nach bislang unbestätigten Meldungen prüft Aldi, angesichts des niedrigen TUI-Aktienkurses, die TUI zu kaufen. Dann werden nächstes Jahr nicht wie fälschlich berichtet die Aldi-Läden TUI-Reisen verkaufen, sondern die TUI-Reisebüros verkaufen dann die Aldi-Produkte. Lassen wir dahingestellt, in welcher Variante mehr Geld verdient wird.

 

 

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