Leider kennen Sie Ihre USA-Note nicht. Das ist sehr schade. | 3.12.2006 (Prof. Karl Born)3.12.2006: Leider kennen Sie Ihre USA-Note nicht. Das ist sehr schade.

Laut Recherchen der Nachrichtenagentur AP errechnen die USA aus der Flut der angeforderten Passagierdaten mit einem speziellen System („Automated Targeting System“ – ATS), das individuelle Sicherheitsrisiko von Flugpassagieren und benoten dies. Die Reisenden dürfen diese Noten weder einsehen noch anfechten, und die Daten sollen 40 Jahre lang aufbewahrt werden (siehe Spiegel online, 1.12.2006). Dabei wäre es doch viel einfacher diese Noten zu veröffentlichen, dann könnte sich mancher die Reise in die USA ganz einfach sparen. Höchste Zeit, dass wir umgekehrt das Risiko für eine USA-Reise berechnen. Und da sieht die USA dann sehr schlecht aus.
Kommentar Karl Born:
Es wird immer unglaublicher, was bei der Einreise in die USA „abgeht“ und was man nur durch mehr oder weniger Zufall überhaupt erfährt. Vor kurzem wurde berichtet, dass die Einwanderungsbehörde generell Daten aus dem Laptop der Einreisenden herunterladen kann oder den Laptop sogar komplett beschlagnahmen darf. Natürlich wurde das nie offiziell veröffentlicht und natürlich weiß bis heute noch niemand was, wer, wie lange mit diesen Daten machen kann.
Beim o.g. ATS sollen angeblich sogar Kongressmitarbeiter und Beamte der Exekutive der Auffassung gewesen sein, es handele sich nur um ein Kontrollsystem für das Frachtwesen. Dabei dürfen laut Erklärung der Regierung die Daten dieses Registers auch an Gemeindeverwaltungen und an ausländische Staaten weitergegeben werden (nur die Betroffenen dürfen es nicht einsehen).
Da wundert es nicht weiter, dass einer internationalen Studie zufolge die USA das momentan Touristen-unfreundlichste Land der Welt sind. Die Folgeplätze belegen Länder im Nahen Osten und in Asien.
Liebe unverbesserliche USA-Fans, sagen Sie nicht, das betrifft Sie nicht, weil Sie „nichts zu verbergen haben“. Das wäre schrecklich naiv. Wissen wer auf den letzen Flügen neben Ihnen saß? Keine Ahnung? Vielleicht kannte dieser „Typ“ (wenn auch nur unwissentlich) jemanden der verdächtig ist. Schon ist Ihre eigene Risikonote aber ganz schön im Keller. Und bei diesem Berg von Daten (zuletzt reisten 87 Mio. Menschen per Flugzeug in die USA) kann schon mal ein „kleines Fehlerchen“ passieren. Bei der Einreise in Dubai sollte ein zweijähriger Junge festgenommen werden, weil sein Name auf der Liste gesuchter Terroristen stand und ein entsprechender Haftbefehl vorlag. Unglaublicherweise stand sogar sein richtiges Geburtsdatum im Haftbefehl!! Untersuchungen ergaben: Computerfehler.
Ich persönlich habe daraus meine Konsequenzen gezogen und jetzt umgekehrt für alle potenziellen Zielländer meine eigene Risikoeinstufung vorgenommen. Dabei spielen nicht nur die oben genannten Faktoren, sondern auch generell die Themen Justizwesen, Pressefreiheit, Terrorrisiko, technische Sicherheit von Hotelanlagen und öffentlichen Gebäuden, Sauberkeit und einiges mehr eine große Rolle.
Natürlich weigere auch ich mich, die sich daraus errechneten „Noten“ an die betroffenen Staaten mitzuteilen. Nur soviel sei verraten: die Türkei hat bei mir eine bessere Note als die USA und Deutschland hat leider nicht die Bestnote (das nur als Info an den Tourismusbeauftragten der Bundesregierung, Ernst Hinsken – da kann er sich wieder ärgern).
Ich freue mich jedenfalls auf meine nächste Reise in das Land, das bei meinem Sicherheitscheck auf dem ersten Platz steht. Wie schade, dass ich das Land nicht nennen darf, sonst wird es von den USA sofort schlechter bewertet.
Und übrigens, falls Sie gerade über Ihre USA-Note nachdenken sollten, dann sollten Sie sich auch schlau machen wie Ihr Rating bei der Bank aussieht (Stichwort Basel II), was zu Recht oder irrtümlich bei der Schufa über Sie gespeichert ist, von wie vielen Kameras Sie letzte Woche gefilmt wurden (und wie lange diese Bilder aufbewahrt werden) und checken Sie mal sicherheitshalber ob nicht gerade eine Telefonüberwachung bei Ihnen läuft (weil Sie letztens in einem Gespräch mit jemanden, der jemanden kennt, der leider jemanden Falschen kennt, versehentlich ein falsches „Schlüsselwort“ gesagt haben). Dann wundern Sie sich garantiert nicht mehr, warum der Mensch, der neuerdings oft vor Ihrer Haustür steht, immer wegschaut, wenn Sie auf die Straße treten.
|