Endlich trauen sich die nationalen Flugbehoerden Wahrheiten auszusprechen | 29.8.2005 (Prof. Karl Born)29.8.2005: Endlich trauen sich die nationalen Flugbehoerden Wahrheiten auszusprechen

Frankreich, Grossbritannien und Schweiz wollen kuenftig eine Schwarzliste der gefaehrlich eingestuften Fluggesellschaften veroeffentlichen. Diese Liste soll fuer jedermann einsehbar sein. Endlich wird die Problematik erkannt (und die ordentlichen Airlines geschuetzt, statt umgekehrt).
Kommentar Karl Born:
Ob man noch in die Tuerkei, nach Aegypten oder in andere Laender (aus Sicherheitsgruenden) reisen koenne, wird oft in einem Interview eroertert. Dabei ist es statistisch gesehen fuer die Sicherheit viel wichtiger mit welcher Fluggesellschaft man dahin fliegt. Es wird von Fachleuten nicht bestritten, dass es mit der Sicherheit einzelner Fluggesellschaften nicht zum besten bestellt ist. Aber die Angst vor Klagen hinderte bislang die nationalen Aufsichtsbehoerden daran, ihr Wissen zu veroeffentlichen. Zu oft musste erst etwas passieren, bevor gehandelt wurde (siehe auch BBB vom 16.5.2005 "Ein vergifteter Gewinn").
Und wenn, wie im Fall Onur Air eingegriffen wurde, kam politischer Druck, hier "schnell zu einer Loesung" zu kommen.
Gefordert sind hier viele, die nationalen Aufsichtsbehoerden an erster Stelle und zwar in eigener Verantwortung, unterstuetzt durch Informationsaustausch mit anderen Behoerden. Die Zertifikate der jeweiligen "Heimatbehoerden" duerfen nicht zwangslaufig als Sicherheitsgarantie gelten. Damit ist auch die Politik gefordert eine solche nationale Haltung zu unterstuetzen.
Zweitens sind Reiseveranstalter und die Urlauber selbst gefordert. Wollen wir dahingestellt lassen, ob die Veranstalter "billige Airlines" einkaufen, weil ein bestimmtes Nachfragesegment nur auf den Preis achtet und weniger auf das Thema Sicherheit. Oder ob die Verbraucher "blind" auf die Veranstalter vertrauen, dass diese das Thema Flugsicherheit ausreichend geprueft haetten. Formal nach geltendem Recht haben sie das sicherlich getan, aber "Verantwortung" ist mehr als das.
Dabei muessten die potenziellen Urlauber nur staerker beobachten, welche Veranstalter Onur, Flash, Fly und andere Airs dieser Welt immer wieder beschaeftigen. Welche Veranstalter immer wieder Umbuchungen vornehmen muessen, wenn einzelne Fluggesellschaften, aus welchen Gruenden auch immer, "mal wieder nicht fliegen" durften. Permanente Preissenkungen dieser Airlines um in das Geschaeft zu kommen, hinterlassen zwangslaeufig innerbetriebliche Spuren mit entsprechenden Konsequenzen.
Natuerlich sind auch die Medien gefordert, diesen Sachverhalt staerker zu thematisieren und zwar nicht erst hinterher (auch mit Druck auf die deutschen Behoerden zur Veroeffentlichungspflicht).
Damit es kein Missvestaendnis gibt. Gemint sind hier nicht die sog. "Billigfluggesellschaften", sondern nationale Chartergesellschaften die sich im jeweiligen Ferienfluggeschaweft eine dicke Scheibe abschneiden wollen. Egal wie! |