Jamaika hat noch einmal Glück gehabt | 26.9.2005 (Prof. Karl Born)26.9.2005: Jamaika hat noch einmal Glück gehabt

Die BBBs wollen sich mit Tourismus und Touristik beschäftigen und nicht mit Politik. Aber wenn Politik plötzlich mit Geographie zu tun hat und BBB-Leser sich über fehlende politische Stellungnahme der BBBs beschweren (danke für die Post), dann muss es eben sein.
Kommentar Karl Born:
Jamaika ist ein schönes Land mit einem ganz besonderen Flair. Neben der landschaftlichen Schönheit denkt man an Raggee-Musik, wunderbare Sonnenuntergänge und dabei etwas bekifft vor sich hinträumen. Zu Merkel und Stoiber passt Jamaika wie die Faust aufs Auge. „Schön und kaffeebraun sind alle Frau`n in Kingstontown“, auch das muss man nicht näher kommentieren. Kurzum, das hätte Jamaika nicht verdient gehabt, auf Dauer mit einer solchen Koalition in Verbindung gebracht zu werden. Als die jamaikanische Botschafterin Gilbert-Roberts ankündigte, die Akteure nach erfolgreicher Koalitionsbildung nach Jamaika einzuladen, hatten ohnehin manche gehofft, sie mögen dort auch für immer bleiben. Geografisch gesehen hätte diese Koalition mit Sicherheit im Bermuda-Dreieck geendet.
Relativ schnell war die Diskussion über rot-grün-gelb, den Landesfarben von z.B. der Republik Kongo, beendet. Kongo ist bei weitem nicht so sexy wie Jamaika und vor allem leicht zu verwechseln mit der Demokratischen Republik Kongo, eines der wenigen Länder, vor denen sogar unser Auswärtiges Amt hinsichtlich Urlaubsreisen warnt. Wäre noch alternativ Burkina Faso (übersetzt: Land der Aufrichtigen) geblieben. Eine rot-grüne Flagge mit einem süßen kleinen gelben Stern in der Mitte. Burkina Faso ist eines der ärmsten Länder der Welt und soweit sind wir ja schließlich noch lange nicht.
Für die schwarz/rote Koalition bleibt geografisch gesehen nur Angola, mit seiner schwarz/roten Flagge. Aber sie hat in der Mitte ein Symbol (Hälfte eines Zahnrades und eine Machete und einen fünfzackigen Stern) mit einer extrem hohen Verwechslungsgefahr mit Hammer und Sichel. Für den angolanischen Nationalfeiertag am 11.11. gäbe es jedoch zumindest in NRW hohe Koalitionsbereitschaft.
Wie soll es weitergehen? Das politische Patt ist das Abbild der politischen Stimmung der Republik. Insofern hat das Volk bekommen was es denkt, wenn auch nicht was es wollte. Die Medien fordern nun, dass sich Grüne und/oder FDP von Ihren Grundsätzen weg bewegen, zur Rettung der Nation. Und wenn sie es tun sollten, werden die gleichen Medien sie anschließend als Umfaller beschimpfen.
Die große Koalition als Retter? Aber wer soll sie führen? Am Wahlabend zeigte Gerhard Schröder nachdrücklich wer in der deutschen Politik das Alphamännchen ist. Dafür wurde er gescholten. Aber richten wir den Fokus genau in jenem Augenblick auf Angela Merkel. Saß sie nicht da, wie eine Mitarbeitern, die von ihrem Chef zusammengefaltet wird? Genau in diesem Moment hatte sie die einmalige Chance den Bundeskanzler „abzukanzeln“ mit einem einzigen Satz: „Gerd, nun ist aber Schluss mit dem Getue, ab jetzt bin ich der Boss“. Danach wäre sie Kanzlerin gewesen. So hat leider jeder gesehen, sie ist nur (um die Süddeutsche Zeitung zu zitieren) „das Merkel“.
In den letzten Tagen ist nicht ganz unerwartet ein anderes Land in den Mittelpunkt der politischen Diskussion geraten: Israel. Das israelische Modell der nach zwei Jahren rotierenden Kanzlerschaft wird plötzlich als Lösung der stockenden Diskussion gesehen. „Deutschland nach israelischem Modell“, allein der Charme dieser Formulierung lässt auf Umsetzung hoffen (aber über die Personen müssen wir noch reden).
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