BBB-Sonderausgabe: Eigentlich könnte es ein tolles Gefühl sein für Thomas Cook zu arbeiten. Wenn diese lieblosen Eltern nicht wären. | 26.12.2006 (Prof. Karl Born)26.12.2006: BBB-Sonderausgabe: Eigentlich könnte es ein tolles Gefühl sein für Thomas Cook zu arbeiten. Wenn diese lieblosen Eltern nicht wären.

Kaum ist die Aufsichtsratsitzung von TUI vorbei (wenn auch mit schlappem Ergebnis), schon gibt es wieder Neues zu „beißen“, diesmal bei Thomas Cook. Schauen wir uns heute mal den leider noch nicht vollendeten Leidensweg der Mitarbeiter in Oberursel und in Kelsterbach an. Nächste Woche kommen wir dann nochmals auf das Thema TUI zurück.
Kommentar Karl Born:
Es waren einmal zwei fröhliche Kinder. Das eine, etwas bodenständige Kind hieß Neckermann (genannt nach einem sehr erfolgreichen Vater) und bereitete vielen Menschen große (Urlaubs-)Freude. Das andere Kind wurde von seiner Mutter Lufthansa auf den Namen Condor getauft und war etwas moderner, man könnte auch sagen etwas elitärer. Als Vater Neckermann älter wurde „verfiel“ nicht nur er selbst, sondern er „verfiel“ auch auf andere Art an eine gewisse Karstadt. Die war damals noch so eine „richtige Granate“, wie Männer manchmal etwas unfein sich auszudrücken pflegen. Soweit so gut, wenn nicht eben diese Karstadt und diese Lufthansa auf die etwas sonderbare Idee gekommen wären ihre Kinder zu verheiraten. Ausgerechnet den bodenständigen Neckermann mit der etwas elitären Condor. Von da an begann eine Geschichte, die man so überschreiben könnte: Alle wussten immer was alles schief gehen wird, nur die beiden Eltern hatten permanent Tomaten auf den Augen und zwar besonders große. Andauernd, bis heute!
Den ersten Flop leisteten sich die Eltern, dass sie dem jungen Pärchen den Namen C & N gaben. Allein diese Namensgebung ließ an den Fähigkeiten der Eltern höchste Zweifel aufkommen und hätte zum sofortigen Entzug der Elternschaft führen müssen. 1998 stellten die Eltern das Pärchen unter die Vormundschaft eines gewissen Stefan Pichler. Von nun an häuften sich die Fehlentscheidungen, allerdings immer unter gnädigem Abnicken von Karstadt und Lufthansa, die aufsichts- und ratlos dem munteren Treiben fortan (bis heute) zusahen.
Stefan Pichler taufte um in Thomas Cook; ein toller Name in aller Welt, in Deutschland kannte ihn kein Schwein. Die erste anglophile Fehlentscheidung, der weitere in immer schnelleren Takt folgen sollten. So wurde die Condor ebenfalls in Thomas Cook umgetauft, die Branche schrie auf, aber Karstadt und Lufthansa nickten. In Oberursel jagte eine Kostensparrunde die nächste und als alle glaubten jetzt habe man eine total kostenfreie Zone errichtet, stellte man fest, dass vieles nur auf dem Papier stand. Und Karstadt und Lufthansa nickten weiter. Eines Tages als die „Alten“ vom vielen Nicken schon müde waren fielen sie aus ihrem „Paradies der Träume“ in einen „Sommer des Erwachens“ (sie hatten nämlich Pichler und Pilcher verwechselt). Karstadt und Lufthansa besorgten sich daraufhin die Dienste des alten Crocodil-Beeser, der sich fortan kräftig durch den Wildwuchs fraß
Parallel dazu begann die inzwischen doch schon mächtig in die Jahre gekommene Dame Karstadt eine Liaison mit einem gewissen Quelle (künftig wie heutzutage üblich den Doppelnamen KarstadtQuelle tragend). Gerade als Thomas Cook die Hilfe der Mutter eigentlich nötiger hatte denn je, waren die Auswirkungen derer Krankheit so weit fortgeschritten, dass sie selbst Hilfe brauchte. Um die Arztkosten und Medikamente bezahlen zu können musste sie einen Kredit aufnehmen und verpfändete (tatsächlich) dafür ihr Kind Thomas Cook (siehe Financial Times Deutschland, 30.11.2004). Gegen diesen Vorgang sind alle Märchen tatsächlich nur Märchen. Kaum ging es Thomas Cook etwas besser, fingen Karstadt und Lufthansa wieder „zu zündeln“ an. Dem Wahn verfallen „Touristik kann jeder“ und wir brauchen „mehr Visionäre an der Spitze“ (eine nur in hessischen und niedersächsischen Landesteilen auftretende Krankheit) und wieder einmal aufsichts- und ratlos, dachten diese es wäre wohl ein besonderer Coup die Vormundschaft des gerade wieder genesenen Thomas (Cook) an einen Thomas (Holtrop) zu übertragen. Wieder wussten alle, dass es schief gehen würde. So schrieb die Welt (28.5.2005) „Auf keinem Posten und in keiner Stadt hielt es den umtriebigen Macher lange Zeit“, die Süddeutsche Zeitung (28.5.2005) nannte ihn einen „begnadeten Selbstdarsteller“ und die BBBs schrieben am 30.5. „neue Chefs machen immer Freude, wenn nicht beim Kommen, dann beim Gehen“ und „gaben“ ihm maximal ein bis zwei Jahre („dann muss Beeser wieder retten“).
Thomas Holtrop umgab sich schnell mit einer eigenen Boygroup, deren Markenzeichen darin bestand, dass erstaunlich viele wiederum Thomas hießen. Während Holtrop im Betrieb schnell als „Pichler 2“ bzw. „Pichler Plus“ verschrien war, gab es fortan zwei Kommunikationskreise im Unternehmen, einen jener die arbeiteten und einen jener die im Elfenbeinturm „Touristik for beginners“ spielten. Dies alles blieb Karstadt und Lufthansa verborgen, wahrscheinlich weil sie zu allem nickten, auch wenn mal kein Papier vorlag. Letzte Woche durfte Holtrop dann noch schnell seinen zweitbesten Traum verwirklichen, die Firmenadresse auf „Thomas-Cook-Platz 1“ zu taufen (sein bester Traum wäre Thomas-Holtrop-Platz 1 gewesen), dann war der Alptraum für Thomas Cook auch zu Ende.
In der Zwischenzeit spielten Karstadt und Lufthansa Kinderabzählreim. Natürlich nicht so primitiv „behalten, „nicht behalten“, „behalten“, sondern sehr strategisch „Kerngeschäft“, „nicht Kerngeschäft“, „Kerngeschäft“. Wie auch immer, die Halbwertzeit dieser Aussagen wurde immer kürzer. Letztlich entschlossen sie sich zu einer Lösung, die Freude in pharmazeutischer Minidosis aufkommen lässt. Während der Veranstalter wieder werden soll, was er früher mal war, „nur noch Händler“, sieht die Position von Condor echt bescheiden (Originalbezeichnung dafür verbietet sich wegen Weihnachten) aus. Im Mehrheitsbesitz von Karstadt zu sein, bei 25% Anteil von Lufthansa bedeutet: Man ist weder Fisch noch Fleisch. Dagegen wäre selbst die Variante Condor nach Hannover ein strategischer Fortschritt gewesen, von der noch besseren Variante mit Air Berlin zusammenzugehen, ganz zu schweigen. Aber wie schon oben gesagt: Echte Mutterliebe ist in dieser Geschichte leider ein Fremdwort.
Fazit: Es ist schwer zu beurteilen was schlimmer für das Kind Thomas Cook ist, verkauft oder verpfändet oder behalten zu werden.
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Die BBBs wünschen allen Leserinnen und Lesern einen guten Rutsch ins Neue Jahr. Für die nächsten Ausgaben stehen als Geschichten noch offen: Vom Kreuzfahrtplan zum Kreuzfahrtplänchen warum die Großen immer britischer werden um wen wollen sich die „Kümmerer“ kümmern? ist Aldi und Co. Reisezukunft oder Träumen an der falschen Stelle? sollten Aufsichtsräte, wenn sie weder Aufsicht noch Rat geben, nicht lieber „Nickräte“ heißen? Und wir berichten natürlich auch über die Überraschungen, für die wiederum viele angelernte Touristikmanager sorgen werden. |