Haste mal `nen Freund für mich? | 23.10.2006 (Prof. Karl Born)23.10.2006: Haste mal `nen Freund für mich?

Da meint man immer, jemand der in den letzten Jahren mit steter Regelmäßigkeit eine satte Gehaltserhöhung bekommen hat, der könne doch keine Probleme haben. Weit gefehlt, kann man trotzdem haben, nur eben andere. Während die meisten „Normalos“ verzweifelt nach Euros suchen (Warum wohl? Und wer ist schuld?), hat der eine oder andere Top-Manager andere Probleme: Die (vergebliche?) Suche nach Freunden. Und dies leider öffentlich, sehr öffentlich. Und wenig freundlich.
Kommentar Karl Born:
Soll keiner sagen das sei ein Luxusproblem. Oder glaubt der geneigte BBB-Leser es würde Spaß machen innerhalb von wenigen Tagen diese Überschriften zum Frühstück zu lesen?
„Wenn Hermes eingreift, müssen Manager zittern“, Handelsblatt, 17.10.
Um den eventuellen Ernst dieser Nachricht zu verstehen, greift der Top-Manager zwischen Lachs- und Schinkenbrötchen zum Lexikon um unter „Hermes“ nachzuschlagen. Was er dort liest erschrickt ihn: „Hermes ist der Götterbote, der die Botschaft der Götter an die Sterblichen ausrichtet. Seine Botschaften sind kein bloßes Mitteilen, sondern etwas, das man einsehen muss“. „Sterblich zu sein“ und „etwas einsehen“, mögen Top-Manager in ihrem normalen Wirken eigentlich nicht leiden. Aber die Deutlichkeit der Nachricht lässt in diesem Fall nicht zu wünschen übrig, also gilt es zu handeln.
Das liest sich dann in den Medien so: „Frenzel sucht Freunde“, Süddeutsche Zeitung, 16.10. „TUI-Chef Frenzel schon seit Wochen auf der Suche ….., an gleicher Stelle „TUI-Helfer dringend gesucht“, Neue Presse, 19.10. „TUI-Chef Frenzel sucht Verbündete“, Berliner Zeitung, 17.10. „Frenzel sucht Beistand freundlich gestimmter….“, Frankfurter Rundschau 17.10. „TUI-Boss auf der Suche nach Verbündeten“, BILD, 16.10. „Genosse auf Betteltour“, Focus, 16.10.
Aber die gezielte Erstsuche war wohl nicht erfolgreich, jetzt wird die Suche auf eine ganze Stadt ausgeweitet: „TUI will Hamburg offenbar um Hilfe bitten“, FAZ, 16.10. „TUI sucht Hilfe in Hamburg“, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 15.10. „TUI bittet Hamburg um Hilfe“, Hamburger Abendblatt, 16.10.
Aber wenn die Zeiten schlecht sind, werden auch Freunde weniger. Und noch schlimmer, sie bestreiten dann sogar den Kontakt zum Hilfesuchenden. „Es hat kein Gespräch mit Herrn Frenzel gegeben“, Berliner Zeitung 17.10. „Ihnen sei nichts von solchen Gesprächen bekannt“, Welt, 16.10. „Auf dem falschen Dampfer“, Börsen-Zeitung 17.10. Wie sagt das Sprichwort: „Freunde in der Not, gehen 1000 auf ein Lot“.
Dann ist es nicht mehr weit zu dieser Meldung: „2007 könnte es zu einem Wechsel an der Konzernspitze kommen“, Financial Times Deutschland, 17.10. „Mit all zu viel Mitleid kann er allerdings nicht rechnen“, Hamburger Abendblatt, 19.10.
Da schmeckt dann das beste Frühstück nicht mehr!
Wie gesagt, so hat jeder seine Probleme. Der eine früher, der andere später.
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