Saukalt | 22.1.2006 (Prof. Karl Born)22.1.2006: Saukalt

Bei dieser Kälte kann man eigentlich keine Kolumne schreiben. Nicht zu glauben, dass letzte Woche, als die russisch-orthodoxe Kirche das Fest von Jesu Taufe feierte, Menschen bei minus 35 Grad ins Eisloch gesprungen sind, um die Sünden des vergangenen Jahres abzuwaschen. Da möchte man in 2006 lieber brav bleiben, um sich das zu ersparen. Am tollsten treiben es jedoch Touristen (immer diese Touristen), die sich für ihren Urlaub ein richtig kaltes Hotel suchen, z.B. das Icehotel in Lappland. Perversionen gibt es!
Kommentar Karl Born:
Im kleinen Dorf Jukkasjärvi, 200 Kilometer nördlich des Polarkreises, im schwedischen Teil Lapplands, errichten Eiskünstler jedes Jahr aus 30.000 Tonnen Schnee und 4.000 Tonnen Eis, das größte, ganz aus Eis und Schnee erbaute Hotel der Welt. In 60 Zimmern und Eis-Suiten herrscht eine „mollige Kälte“ von ca. minus 5 Grad. Unterkühlte Freundschaften kann man an einer "coolen" Bar schließen.
Über 100 Gäste können in dem eisigen Palais beherbergt werden. Und das sind nicht etwa Eskimos auf der Durchreise, sondern ein internationales Publikum. Natürlich sind auch die "deutschen Reiseweltmeister" dabei.
Die Gäste verbringen in der Regel nur eine Nacht im Eishotel (das reicht wohl auch). Geschlafen wird in Schlafsäcken auf Rentierfellen, die wiederum auf Eisblöcken liegen. Zum Thema Liebesleben gibt es zwei verschiedene Gerüchte, die aber hier nicht detailliert erörtert werden sollen (Näheres nur auf spezielle Anfrage).
Laut Angaben des Managements sei noch kein Gast zum "Ötzi" zu Jukkasjärvi geworden. Dafür sorge der heiße Preiselbeersaft („Igitt“), der zum Wecken ans Bett gebracht wird. Spätestens beim anschließenden Saunen sei bisher auch der letzte "Frosti" wieder aufgetaut.
Selbst Promis trauen sich. Das Gästebuch zieren berühmte Namen wie Naomi Campbell und Kate Moss. Bei letzterer erklärt sich damit manches von selbst.
Es werden auch Ausflüge angeboten, z.B. eine Nordlicht-Schneemobilsafari mit Dinner. Laut Veranstalterangabe begibt man sich „mit dem Schneemobil auf die Suche nach dem Nordlicht“. Wahrscheinlich hat sich dieses vor der Kälte versteckt. .
Übrigens erinnern Sie sich noch? Im letzten Sommer (welch ein Klang hat dieses Wort) maß der nationale Wetterdienst am 28. Juli in Niederstetten mit 36,7 Grad und in Karlsruhe mit 36,3 Grad die höchsten Temperaturen. Ach war das schön! Weltweit war das Jahr 2005 nach ersten Schätzungen der Weltorganisation für Meteorologie ein halbes Grad wärmer als im statistischen Mittel und damit das zweitwärmste Jahr nach 1998. In diesen Tagen könnte man selbst die globale Erderwärmung lieben.
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