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Die Dampfplauderer der Woche: Finanzminister Steinbrück und Airline-Halbsanierer Wöhrl | 20.8.2006 (Prof. Karl Born)20.8.2006: Die Dampfplauderer der Woche: Finanzminister Steinbrück und Airline-Halbsanierer Wöhrl


Der Finanzminister empfiehlt: „Deutsche sollen auf Urlaub verzichten“ und lieber für das Alter sparen.
Hans Rudolf Wöhrl verkaufte die dba an Air Berlin. Damit ist seine Ankündigung von der großen Low Cost-Kombination dba/LTU auch obsolet.


Kommentar Karl Born:

Mit dem Sparen ist das gar nicht so einfach. Immer die anderen sollen damit anfangen. Besonders oft steht dabei die Urlaubsreise im Fokus verbaler Politiker-Schnellschüsse. Die neueste Heldentat verzapfte diese Woche Finanzminister Steinbrück. Seine Forderung, die er ausgerechnet an einem seiner letzten Urlaubstage verzapfte (muss wohl ein mieser Urlaub gewesen sein), zierte als griffiger Slogan darauf die Titelseite der Gazetten: „Deutsche sollen auf Urlaub verzichten“. Steinbrücks überaus „origineller“ Hintergedanke lautete: Auf Urlaub verzichten und das gesparte Geld für die Altersvorsorge verwenden. Wobei diese Forderung eigentlich paradox ist, denn wenn der Bürger auf Urlaub (im Sinne von Erholung) verzichtet, wird sich die Wahrscheinlichkeit, dass er früher stirbt erhöhen und damit der Verzicht auf Urlaub noch weniger Sinn machen.

Aber solche „griffigen“ Forderungen sind wir von der Politik ja gewöhnt. Wir sollten schon Rauchen für die Haushaltssanierung, später sogar Rauchen für die Gesundheit (Erhöhung Tabaksteuer sollte für Subventionierung der Krankenkassen verwendet werden). Neuerdings sollen wir, wie bei der Flugsteuer geplant, auch Fliegen für die Entwicklungshilfe. Da kann unsereiner doch nicht auf den Urlaub verzichten, wenn damit die 3. Welt weniger zu Essen bekommt (was auch wiederum paradoxe Forderung war, weil die Einnahmen durch die Urlauber bekanntlich den schnellsten Geldfluss bewirken).

Wie sieht die Urlaubswirklichkeit aber heute bereits aus?
• Die Reiseintensität, (wie viel % der Deutschen über 14 Jahre machen mindestens eine 5tägige Reise) geht schon seit einiger Zeit zurück!
• Die Dauer der Haupturlaubsreise geht schon seit einiger Zeit zurück!
• Die Urlauber geben schon seit einiger Zeit weniger Geld im Urlaub aus.
Das alles nicht wegen Vorsorge für das morgen, sondern als Konsequenz aus dem geringeren Einkommen von heute!
Außerdem buchen die Urlauber später. Nicht nur, weil sie hoffen dabei zu sparen, sondern weil sie aus Sorge um ihren Arbeitplatz sich nicht zu früh festlegen können.

Aber während unsereiner unter Sparen (notgedrungen) weniger Ausgaben aus der eigenen Kasse verstehen muss, geht bei unserem Finanzminister und bei Merkel, Müntefering und Co das Sparen immer zu Lasten Dritter (Griff in den Geldbeutel der Bürger). Sie selbst leben weiter wie bisher:
• Diese Regierung hat die höchste Anzahl Staatssekretäre, die es je gab.
• Sie hat die höchste Zahl Sonderbeauftragte, die es je gab (Trauriger Höhepunkt: als erste Aktion für den so dringend notwendigen Bürokratieabbau wurde die Stelle einer „Sonderbeauftragten für Bürokratieabbau“ geschaffen, außerdem wurde ein 85 Seiten starkes Methodenhandbuch in die Welt gesetzt).
• Die Anzahl Führungspositionen in vielen Ministerien wurde erhöht.
Na, Bravo! Und „unser“ Steinbrück, der so schön „kraftvoll“ über Sparen reden kann, dass man immer Angst haben muss er würde gleich platzen vor Dynamik, war im TV auf dem letzten Bundespresseball im Smoking und mit Champagnerglas in der Hand zu sehen mit dem Rechtfertigungssatz: „Wer hart arbeitet, darf auch feiern“. Und dann dieser Urlaubsspruch, dieser Pharisäer!

Eigentlich hätten diese BBB (vor dem Steinbrück-Spruch) ausschließlich Herrn Hans Rudolf Wöhrl, nur „Mit“eigentümer, aber Wortführer, von dba und LTU gelten sollen.
Auch so ein Sparer vor dem Herrn, ein „großer“ Sanierer, aber als Schauspieler eine Klasse besser als Steinbrück. Wöhrl ist einer jener Manager (die BBBs kennen noch einige von diesem Schlag) die man, um sie zu beschreiben, nur mit ihren eigenen Zitaten konfrontieren muss. Nach seinem Einstieg bei LTU tönte er: „Aus der Verbindung von dba und LTU soll nun der erste Low-Cost-Carrier mit einem globalen Streckennetz hervorgehen, was bislang noch niemand geschafft hat“. Die BBBs, die schon manchen Stern als Sternschnuppe am Himmel verglühen sahen, kommentierten damals: „Ob der Rest der Fliegerei jetzt zittert? Vielleicht vor Lachen?“ (siehe BBB vom 20.2.2006 „Wöhrl als Experte für die kranke LTU“). Bei Wöhrl, der sich gerne als großer Sanierer feiern lässt, ist offensichtlich Schein und Sein zweierlei. Schon der frühere Germania-Eigentümer Dr. Bischoff, hat sich ziemlich schnell aus der dba verabschiedet, als er den wahren Sanierungsstand dort sah. Und Air Berlin-Chef Hunold kritisiert schon wenige Tage nach Kauf das Kostenbild der gerade erworbenen dba (wobei das auch was für sich hat, dann ist der theoretische Synergiegewinn umso größer). Man muss kein großer Prophet sein um auch ein baldiges unseliges Ende von Wöhrl und LTU vorherzusagen, ohne „weltumspannendes Low Cost-Netz“.
Eines muss man allerdings Herrn Wöhrl lassen, sein persönliches finanzielles Ergebnis ist immer top. Schon beim Verkauf und Rückkauf der Dr. Bischoff-Anteile hatte er eine gute „persönliche“ Variante gefunden (siehe BBB vom 20.2.2006), der dba-Verkauf jetzt bringt ihm eine in % kaum ausdrückbare Rendite und sein LTU-Abenteuer wird auch nicht zu seinen persönlichen Lasten gehen.
Wie schon oben gesagt, unter Sparen versteht eben jeder etwas anderes.

Und weil in diesen BBB soviel von Sparen die Rede war, noch schnell die „Mutter aller Sparsprüche“:
Wie sagte der Bauer: „Ach wie schade, gerade als ich meiner Ziege das Fressen abgewöhnt hatte ist sie gestorben“.


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In eigener Sache:
Wegen technischer Schwierigkeiten beim externen Provider, ist der letzte BBB-Newsletter nicht nur 3 Tage verspätet versendet worden, sondern dann auch noch in mehrfacher Ausführung. Dafür bitten wir alle Leser um Entschuldigung.



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