Wenn Liebe durch Ehe beendet wird, ist es bis zur Scheidung nicht weit | 18.7.2005 (Prof. Karl Born)18.7.2005: Wenn Liebe durch Ehe beendet wird, ist es bis zur Scheidung nicht weit

Kaum war die Tinte des „Ehevertrages“ zwischen Dr. Bischoff (Gexx) und Hans-Rudolf Wöhrl (DBA) trocken, wurde schon wieder die Scheidung vollzogen. Für Insider wäre alles andere eine Überraschung gewesen.
Kommentar Karl Born:
Ein langweiliges Leben pflegt Dr. Hinrich Bischoff keineswegs, wobei wir hier nur den dienstlichen Teil seines Lebens beurteilen können (wollen). Da liefen schon mehrere „Liebeleien“ gleichzeitig. Da beglückt(e) er zum einen HLX mit seinen Fliegerchen. Zum anderen beginnt er überraschend Freundschaft mit Achim Hunold und lässt weitere Fliegerchen bei Air Berlin fliegen. Kurze Zeit später verleast er auch Flugzeuge an die DBA. Gleichzeitig flog er mit seiner Fluggesellschaft Gexx mit und gegen diese Fluggesellschaften.
Aber von Polygamie konnte dabei nicht die Rede sein, dafür liebte Bischoff seine (geschäftliche) Unabhängigkeit zu sehr. „Spätere Heirat“ seiner Fluggesellschaft mit einer der Leasingnehmer-Gesellschaften war immer ausgeschlossen. Umso überraschender die Bilder im Februar dieses Jahres: Dr. Bischoff höchst persönlich (einem „auftauchenden Phantom gleich“ wie die Süddeutsche Zeitung meinte) auf einer Pressekonferenz zusammen mit Hans-Rudolf Wöhrl. War jetzt die große Liebe angebrochen? Und kurz danach die noch größere Sensation: Heirat! Dr. Bischoff beteiligt sich mit 64% an der DBA und umgekehrt beteiligt sich Wöhrl (in unbekannter Höhe an Bischoffs Germania).
Ach wäre er doch seinen Prinzipien treu geblieben. Warum sollte es im Geschäftsleben anders sein als im richtigen Leben: Manchmal wird Liebe durch Ehe beendet (sagt man).
Aus der Sicht von Bischoff ist dies alles kein Problem, er kann sich jetzt wieder voll auf seine „Liebeleien“ konzentrieren.
Anders sieht die Sache für Wöhrl und die DBA aus. Die Rückzahlung an Bischoff hat die Firmenkasse ziemlich geplündert und darauf sollte man kurz ein besonderes Augenmerk richten. Bischoff hatte seine Anteile von der Wöhrl Intro Verwaltungsgesellschaft, der 100%-Eigentümergesellschaft der DBA, gekauft. Den Rückkauf nahm aber nicht diese Eigentümergesellschaft, sondern die DBA direkt vor. Konkret heißt dies: Wöhrl und seine Mitgesellschafter haben unverändert den Erlös aus dem Erstverkauf an Bischoff in ihrer Kasse, während die DBA-Firmenkasse um die Rückkauf-Summe geschmälert wurde und zusätzlich um die künftig höheren Lease-Raten der Gexx-Flugzeuge (Quelle: Spiegel vom 11.7. und Süddeutsche Zeitung vom 13.7.).
Kein Wunder, dass Wöhrl in seiner anschließenden „Brand Email“ an die Belegschaft, die klamme Firmenkasse „krokodilsmäßig“ beweinte. Aber dieser Schuss ging ohnehin nach hinten los. Da die Trennungsgründe ziemlich laut und präzise in die Welt hinaus posaunt wurden, weiß jetzt jedermann, wie weit DBA von der Kostensituation der Konkurrenz entfernt ist.
Wöhrl scheint trotzdem noch Sinn für Humor zu haben. Immerhin behauptet er, trotz leerer Kassen, Anfragen von potenziellen Investoren würden z.Z. mit Formschreiben abgelehnt. Wollen wir wetten, dass er nicht viel Geld für Briefmarken braucht!
Letzte Bemerkung: Sollten sich die gewerkschaftsfreudigen und gut bezahlten Piloten darüber freuen, diesen „Sparangriff“ abgelehnt zu haben, könnte das schnell zum Pyrrhussieg werden, es sei denn, man steht vor der Pensionsgrenze. Ansonsten wird es bald heißen, sich zu deutlich weniger Geld bei der Konkurrenz als Copilot hinten anzustellen.
Siehe hierzu auch folgende BBBs: 20.2.2005: Ein neuer Ein-Euro-Coup oder hat das Phantom wieder zugeschlagen? 14.11.2004: Sag niemals nie: Condor wird Eintagsfliege und Gexx fliegt für Neckermann 1.3.2004: Was für eine Faschingswoche! (u.a. zum Thema Air Berlin und Gexx) 16.6.2003: Haste mal einen Euro für mich
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