Schneckenexpress in Hannover, „routinemäßige“ Ablösung des Vorstandsbosses in Oberursel, die großen Veranstalter werden britischer und der Rest der Branche gewinnt Marktanteile: Touristik "Made in Germany"? | 18.12.2006 (Prof. Karl Born)18.12.2006: Schneckenexpress in Hannover, „routinemäßige“ Ablösung des Vorstandsbosses in Oberursel, die großen Veranstalter werden britischer und der Rest der Branche gewinnt Marktanteile: Touristik "Made in Germany"?

Von den Ergebnissen der TUI-AR war man enttäuscht: das xte-Sparprogramm wie gehabt, eine neue Flugzeugbemalung die mehr nach Albino-Frettchen aus einem Pharma-Versuchslabor aussieht als nach Aufbruch und der seit Jahren versprochene Einstieg in das „Kreuzfahrt-Premium-Volumengeschäft“, aber in Wirklichkeit nur die Wasser-Variante von „ein Berg kreiste und gebar eine Maus“. Im Prinzip war das ganze nur die Korrektur einer vor einem Jahr abgegebenen schon damals völlig unrealistischen Gewinnvorhersage für 2008. Also mehr „Schnecke im Gegenverkehr“ als „Schnecke auf der Überholspur“. In Oberursel durfte Thomas Holtrop gerade noch die neue Firmenadresse „Thomas-Cook-Platz 1“ einweihen, dann war er als Nr. 1 auch schon Geschichte, von außerhalb des Unternehmens war dieser Schritt erwartet, von innerhalb des Unternehmens war er ersehnt. Viel Lärm zum Jahresende 2006, aber das hätte man alles auch schon zum Jahresanfang 2006 haben können (aber auf jeden Fall zuviel für nur eine BBB-Ausgabe).
Kommentar Karl Born:
„Wenn das alles war, dann war es nicht viel“ was „die behäbige TUI“ am Freitag „viel zu spät“ verkündete. Selten waren sich der negative Presse-Tenor zuvor und der danach so einig. Oder anders ausgedrückt: Es gibt eine schlechte und eine gute Nachricht. Die schlechte Nachricht lautete „Wir haben von der Pressekonferenz nichts erwartet“ und die gute Nachricht lautete: „Unsere Erwartungen wurden erfüllt“.
Was soll mit einer simplen Namensänderung auf „TUIfly.com“ schon besser werden? Den Zugang sichern zu den Wachstumsmärkten Low Cost und Modularreisen? Lassen wir mal den Neuigkeitswert (?) dieser Erkenntnis beiseite. Warum konnte man dies mit dem gerade aufgebauten Namen HLX nicht? Da werden gerade mal schlappe 100 Mio. Euro für den Aufbau von HLX kurz vor Weihnachten durch den Kamin geblasen (Achtung Weihnachtsmann: Gegenverkehr). Und marktfremd ist der Name ohnehin, nichts gelernt vom Flop der Umbemalung von Condor in Thomas Cook Airline. Man kann sich die Diskussion vorstellen. Von Heavy Usern war da bestimmt die Rede, die jetzt weltweit auf eine einzige Marke zurückgreifen können. Aber diese typischen Heavy User von HLX interessiert nur der Preis, die setzen sich in den billigsten Flieger, egal wie er heißt. Aber der deutsche Durchschnittstourist, der nicht so anglophil ist wie die Chefetage von TUI und Thomas Cook, wird suchen und wird genauso verunsichert sein, wie er damals beim Verschwinden seiner Condor war. Und die Drittveranstalter werden (zu recht) ebenso TUIfly meiden, wie sie damals Thomas Cook Airline gemieden haben und damit rauschen weitere Millionen durch den Schornstein. In Berlin, Düsseldorf und Kelsterbach wird die Freude groß sein. Dass man den Markt nicht versteht ist schon schlimm, dass man aber nicht aus Fehlern lernt ist noch schlimmer. Lesen wir doch noch mal die BBBs vom 4.4.2005 (April, April) zur Namensänderung von Hapag-Lloyd Flug. Zitat von damals: „Nur durch Draufschreiben von Hapagfly kommt genauso wenig Innovation und Modernität in die Firma wie damals beim Draufschreiben von Thomas Cook Airline. Die BBBs bieten jedenfalls eine Wette an: Sollte die Namensänderung auf Hapagfly ernst gemeint sein, dann ist bei der gegebenen Nähe zu HLX einer der beiden Namen innerhalb der nächsten 24 Monate verschwunden!“ Ok, Wette verloren, beide Namen sind weg, aber dafür hat es auch nur 20 Monate gedauert.
Immerhin hat man sich entschieden die Fluggesellschaft zu behalten, wenngleich die Begründung dafür sehr putzig ist; man „wolle die Kontrolle über den Kunden behalten“. Wer so denkt, glaubt wahrscheinlich auch, dass „Kundenbindung“ eine Spielart aus dem Sado/Maso-Kabinett ist. Hallo Leute, „Kontrolle“ ist nicht mehr, „langfristige Kundenbeziehung“ nennt man das heute, hat was mit Freiwilligkeit zu tun und vor allem mit „Kundennutzen“. Aber „Kundennutzen“ ist für anglophile Manager eben ein Fremdwort!
Die Ankündigung von „Verringerung der Kapitalbindung im Fluggeschäft“ bedeutet, dass die Geschichte von „Hans im Glück“ (siehe BBBs von letzter Woche) weitergeht bis der letzte Schleifstein in den Brunnen gefallen ist.
Damit endet der erste Teil dieser Bissigen Bemerkungen. Nach den Weihnachtsferien folgt der 2. Teil. Darin fragen die BBBs u.a. warum es Jahre der Vorbereitung bedarf um ein Hüpferchen in den „Kreuzfahrt-Premium-Volumenmarkt“ zu machen. Es wird dezent daran erinnert werden, dass die BBBs bereits bei der Ernennung von Thomas Holtrop zum Chef von Thomas Cook sein schnelles Ende prophezeiten (siehe BBBs vom 30.5.2005). Lesen Sie außerdem, dass der neue Chef von Thomas Cook Fontenla-Novoa sich durch die Verlagerung der Hauptverwaltung von Thomas Cook GB in den Produktionsstandort qualifizierte, was die TUI jetzt in Hannover nachmacht (Frage: Qualifiziert sich damit ein weiterer Engländer?). Und einige Erkenntnisse mehr!
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Liebe Leserinnen und Leser der BBBs, ungeachtet aller Aufregungen wünschen Ihnen die Bissigen Bemerkungen noch eine schöne Adventswoche und ein frohes Weihnachtsfest. Dies gilt speziell auch für jene, die gerade über die Weihnachtstage sich Sorgen um ihren Arbeitsplatz machen, ihnen gelten alle guten Wünsche besonders.
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