Tochter verpfändet und anschließend zum Kauf angeboten | 17.4.2005 (Prof. Karl Born)17.4.2005: Tochter verpfändet und anschließend zum Kauf angeboten

Falls man in der Tageszeitung liest, dass „eine Tochter verpfändet und danach öffentlich zum Kauf angeboten wird“, denkt man an den einen oder anderen Staat außerhalb Europas, in denen das leider nicht unüblich sein soll. Aber so etwas in der Stadt Essen, mitten unter uns? Deutsche Eltern sind auch nicht mehr das, was sie mal waren.
Kommentar Karl Born:
Eigentlich könnte es ein tolles Gefühl sein für Thomas Cook zu arbeiten. Wenn diese lieblosen Eltern nicht wären.
Zuerst hat Karstadt-Quelle die Thomas Cook-Anteile verpfändet (sollte geheim bleiben, war aber etwas naiv gedacht), siehe hierzu die BBBs vom 6.12.2004. Jetzt werden die Anteile in einer etwas verqueren Management-Sprache („Wir sind nicht darauf fixiert, dass Thomas Cook ein notwendiger Bestandteil des Konzerns ist.“) öffentlich zum Kauf angeboten. Dummerweise erklärte der andere Thomas Cook-Elternteil, dass er auch kein Interesse an der alleinigen „Elterngewalt“ hat. Das motiviert echt, wenn man sich richtig in die Arbeit reinhängt, aber merkt „keiner will mich“.
Die TUI-Mitarbeiter in Hannover haben dieses Gefühl schon hinter sich. Und deren neue Verwandtschaft hat sich inzwischen auch schon wieder (teilweise) abgesetzt.
Irgendwie schon komisch: Da ist man Nummer 1 und Nummer 2 in Europa, aber niemand will einem so richtig. Woran das liegen mag?
Bei Karstadt-Quelle ist zudem bemerkenswert, dass die Mitarbeiter wohl besser als das Management das Problem erkennen: „Karstadt muss sich wieder auf die Qualität besinnen und nicht nur aufs Kostensparen“. In der Tat, wenn nur noch Dienstleistung „ohne Mitarbeiter“ geboten wird, dann kann man gleich „online gehen“. Zum Nachdenken auch für andere Dienstleistungs-Branchen geeignet. |