Last Exit Aldi | 15.1.2007 (Prof. Karl Born)15.1.2007: Last Exit Aldi

Was ist nicht mehr originell, macht aber mächtig Lärm? Richtig, Aldi als zusätzliche Vertriebsmöglichkeit. Gestatten, einmal kurz gähnen ob dieser Kreativität!
Kommentar Karl Born:
Das waren noch Zeiten, als man sich schon nachts anstellte um einen superpreiswerten Laptop bei Tchibo oder Aldi zu kaufen. Aber das machte auch Sinn: Man wusste der Preis ist außergewöhnlich gut und die zu verkaufende Stückzahl so klein, dass man jederzeit Verhaftungen der Verantwortlichen wegen Verstoß gegen ordentliches Geschäftsgebaren befürchten musste.
Aber wie immer ist irgendwann jede gute Idee zu Tode geritten und eines scheint einfach nicht in die Köpfe vieler Experten, sogenannter Experten und angelernter Experten zu passen: Eine Urlaubsreise ist etwas anderes als Laptop, Kühlschrank oder ein halbes Pfund Wurst (letzteres bitte aufgeschnitten). Guten Urlaub und diesen trotzdem preiswert, gibt es inzwischen in genügender Stückzahl an fast jeder Straßenecke (im Zweifel eher zu viele als zu wenige Angebote).
Aber die Aufregung war schon groß anfangs dieses Jahres. Reisesonderangebote bei Tchibo, direkt danach bei Lidl und wieder zwei Tage später bei Aldi. „Revolution am Reisemarkt“, „Reisecoup“, „jetzt wird auch die Reisewelt verändert“, kein Medium, das nicht ausführlich darüber berichtete. Schon beim Tchibo-Angebot zeigte aber ein kurzer Blick auf die Homepage von beispielsweise L`tur, dass letztere jedes Tchibo-Angebot locker schon mit normalen L`tur-Angeboten toppten. Die Lidl-Angebote konnte man vergleichsweise in jedem guten Reisebüro ebenfalls bekommen, da musste man nicht mal zum früheren Geheimtipp Flughafen-Reisebüros gehen. Aber am Freitag kommt Aldi, huch wie aufregend. Und die Öffentlichkeit wurde nicht enttäuscht: „Server zusammengebrochen!“, eine tolle Schlagzeile. Spätestens jetzt klickten natürlich auch die „letzten Schlauen“ die Aldi-Homepage an, dass man fürchten musste, dass der Aldi Server mindestens eine Jahresdosis Viagra zusätzlich braucht um wieder hochzukommen.
Aber wer versuchte an diesem Freitag auf die Aldi-Homepage zu kommen? Das waren zu einem alle Spar- und Preisfüchse, die sich sonst auf den Seiten anderer Preiswert-Anbieter tummeln, das war die ganze Presselandschaft rauf und runter, alle zornigen Reisebüroexpedienten und die liebe Konkurrenz. Wollen wir wetten, dass an diesem Tag die Touristikanbieter nicht einen einzigen neuen Kunden gewonnen haben? Eben.
And the winner is Aldi! Und die Loser (oder sagen wir höflicher die Nicht-Gewinner) sind die ureigenen Reiseveranstalter. Und der Wahnsinn geht weiter. Schon gelesen? Bei Germanwings gibt es gerade 100.000 Freitickets. Wer wagt es endlich, dem Reisenden Geld in die Hand zu drücken, wenn er nur bucht? Schlechte Zeiten für manchen Server, aber offensichtlich auch für manchen Billiganbieter. (Siehe auch BBB vom 11.11.2002 „Wann führen die Billig-Airlines den Minus-Preis ein?“ Man beachte das Datum! Helau und Alaaf!)
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