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Vogelgrippe – Fliegende Terroristen | 15.1.2006 (Prof. Karl Born)15.1.2006: Vogelgrippe – Fliegende Terroristen


Die Vogelgrippe weitet sich immer weiter aus. Tagtäglich werden wir von neuen Meldungen überflutet. Die Spannweite geht von „überhaupt keine Gefahr“ bis „wir sind theoretisch schon tot“. Jetzt hat die Vogelgrippe die Türkei erreicht, ein für den Tourismus sehr wichtiges Land. Wie reagiert darauf die Tourismusindustrie?
Ein Blick auf die Homepages der zehn größten deutschen Reiseveranstalter offenbart für Insider nichts Überraschendes: Nämlich nichts! Immer wenn Gefahr von außen droht schweigt die Reisebranche. Das war nach dem 11.9. so, das war lange Zeit zum Thema Terrorismus generell so und diese „eingeübte“ falsche Vorgehensweise wird auch beim Thema Vogelgrippe beibehalten. Dabei wäre gerade jetzt Aufklärung dringend notwendig.


Kommentar Karl Born:

Seit die Vogelgrippe in der Türkei „offiziell“ festgestellt wurde, hat sie auch den Tourismus erreicht. Für das touristische Ziel Türkei ist das eine besondere Bedrohung, weil der deutsche Urlauber bei kaum einem anderen Urlaubsland so sensibel auf Bedrohungen reagiert, wie bei der Türkei.
Jede Schlagzeile „Vogelgrippe in der Türkei“ kann man gleichsetzen mit einem Rückgang der Buchungen für dieses Zielgebiet.

Nüchtern betrachtet, ist die Gefahr für den Menschen, nach heutigem Erkenntnisstand, relativ gering (Die in der Türkei gestorbenen Kinder haben mit den Köpfen toter Hühner „Ball gespielt“). Eine direkte Ansteckung von Mensch zu Mensch ist nicht gegeben. Und wer im Urlaub nicht unbedingt Hühnchen und Hähnchen „knuddeln“ will, kann eigentlich beruhigt in diese Region reisen. Reißerische Überschriften in den Medien, die Bilder der toten Kinder in der Tagesschau, verunsichern aber trotzdem. Man müsste jetzt annehmen, dass die Reiseindustrie eigentlich gerade jetzt gefordert sein müsste, ihre Kunden aufzuklären. Schließlich ist sie als Branche, von der Hysterie zu diesem Thema, in besonderer Weise gefährdet. Und wenn die Angst sich in den Köpfen der potenziellen Urlauber erst mal festgesetzt hat, wird es schwierig werden, dagegen zu argumentieren.

Aber weit gefehlt. Ein Blick auf die Homepages der größten Reiseveranstalter Deutschlands, bei TUI, Thomas Cook, REWE Touristik, Alltours, FTI und bei anderen zeigt: Von Informationen zu diesem Thema keine Spur.

Die Branche ist dabei den gleichen Fehler zu machen wie beim Thema Terrorismus: „Kopf in den Sand“, die Gefahr wird schon vorübergehen. Mit sehr großer Zeitverzögerung hat die Tourismusindustrie damals den Weg zur offenen Information über die terroristische Bedrohung gefunden. Warum sie beim Thema Vogelgrippe den gleichen Fehler nochmals wiederholt, bleibt dem Betrachter ein Rätsel.

Zwei Ausnahmen gibt es jedoch:
Der Reiseveranstalter Öger (ein Türkeispezialist) gibt unter der Rubrik „Reisesicherheit“ eine allgemeine Information zum Thema Vogelgrippe.

Aber richtig perfekt macht es nur ein Reiseveranstalter: Studiosus. Auf der Startseite gibt es bereits ein Fenster mit einem Hinweis zur Vogelgrippe. Wenn man dieses Fenster anklickt, bekommt man eine echte und spezifische Information zu diesem Thema. Da hat der Urlauber wirklich das Gefühl, dass er offen und ehrlich informiert wird.

Also es geht doch! Wann macht es die restliche Branche nach?

Man macht der türkischen Administration auch den Vorwurf, dass sie zulange das Thema totgeschwiegen habe. Auch das ist typisch. Die Liste der „alles-negative-Totschweiger“ unter den Urlaubsländern ist lang. Tunesien leidet noch heute unter der falschen Informationspolitik nach dem Attentat von Djerba. In Thailand wurde das Thema Aids solange negiert, bis es wirklich nicht mehr ging. Selbst Mallorca hat seine Wasserprobleme ignoriert, bis in BILD stand, „Urlauber dürfen nicht mehr duschen“. Zugegeben, mag das vielleicht nicht jeden Urlauber gestört haben, aber auch dieses Problem ist bis heute noch nicht zufriedenstellend gelöst.

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