Alles „Easy“ oder wie man sich eine Schiffsreise verderben kann | 12.6.2005 (Prof. Karl Born)12.6.2005: Alles „Easy“ oder wie man sich eine Schiffsreise verderben kann

Kreuzfahrten sind „in“ und Billig ist „in“. Wenn man beides verbindet, müsste dies „ein Renner“ werden. Oder Horror? Ein Erfahrungsbericht von Heinz Horrmann (siehe „Härtetest auf dem Meer“, WamS, 12.6.2005) auf der „easyCruiseOne“ einerseits und die Berichte in jüngster Zeit über Onur Air und den Pleite-Veranstalter Interflug anderseits, sollten potenzielle Kunden zum Nachdenken über den Unterschied von „billig“ und „zu billig“ anregen.
Kommentar Karl Born:
Heinz Horrmann, Ressort-Chef Reise bei Welt und WamS und Reiseautor (z.B. „In fremden Betten“) ist sicherlich nicht der typische Billig-Reisende, sondern eher ein 5-Sterne-Typ. Aber durch seine große Erfahrung kann er beurteilen, wo das Preis/Leistungsverhältnis stimmt und wo man als Kunde eher die „Finger weglassen“ sollte. Sein Bericht über eine „Easy-Cruise“ (ein Angebot aus dem gleichen Hause wie der Billigflieger Easyjet und Easy-Hotel) ist Warnung vor Billig-Angeboten und coole Reisestory gleichermaßen, mit echtem BBB-Format.
Für den „tollen“ Preis von 37 Euro Tagessatz pro Person wird geboten: Auf zwei mal zwei Meter Raum zwei Matratzen auf Plastik, kein Stuhl, kein Schrank, kein Tisch, kein Zahnputzglas. Kabinenreinigung geht extra (was gibt es da auch zu reinigen und das Schiff insgesamt wirkt ohnehin sehr „ungereinigt“), Frühstück geht extra, jedes Glas Wasser sowieso. Die Qualität des Essens ist grässlich, insofern spielt es keine Rolle, dass es extra bezahlt werden muss, weil es ohnehin keiner essen will.
Aber die Kommunikation auf dem „Luxusliner“ hat Potenzial (in wahrsten Sinne des Wortes). Die Kabine von Horrmann war bei Ankunft schon von zwei jungen Damen belegt. Danach zog ein Rezeptionsmitarbeiter mit Universalkarte von Kabine zu Kabine, öffnete stets ohne anzuklopfen. Die ersten waren ebenfalls belegt, schließlich fand er eine die noch verfügbar war. In der Nacht klopfte ihn ein Brite von der Kabine nebenan wach (nur mit Handtuch vor Bauch und „anderem“), mit der Frage, ob Horrmann ihm ein Präservativ aushelfen könne, seine wären ihm gerade ausgegangen. Daraus ließe sich natürlich ein „System“ entwickeln. Nachts von Kabine zu Kabine ziehen, bis man beides findet: neue Präservative und möglichst eine Kabine in der man gleich bleiben kann. Eine Vorbesichtigung hat man in der Regel ja schon beim Check In gemacht. Und gegen schlechten Atem als Folge von fehlendem Zahnputzglas, gibt es Kaugummis (wozu man Gummi alles verwenden kann), die gleichzeitig Zähne putzen und guten Atem machen. Die britischen Urlauber scheint dies alles nicht zu stören. Sie sind von Hause aus weniger empfindlich und akzeptieren auch den sehr „rustikalen Charme“ an Bord von Ryanair und EasyJet. Das reisende britische Publikum umfasst wirklich die „volle Bandbreite des Lebens“, wie ein Aufenthalt z.B. auf dem Flughafen Mallorca zu nächtlicher Stunde leicht beweist.
Aber die Geschichte von Horrmann ist neben dem hohen Unterhaltungswert auch noch aus anderem Grunde branchenwichtig. Er nimmt kein Blatt vor den Mund und spricht seine Erfahrung deutlich aus, auch hinsichtlich Sicherheit (siehe Bericht „Take it easy“ in der Welt vom 11.6.). Das wünscht man sich auch bei anderer Gelegenheit. Die Beschwerden über den Veranstalter Interflug häuften sich bei den Verbraucherzentralen schon lange vor der Pleite. Die Praktiken des Interflug-Chefs waren „einschlägig“ bekannt. Aber die Presse hält sich in diesen und ähnlichen Fällen doch sehr zurück (von indirektem Hinweis in einer Zeitschrift abgesehen) und berichtet lieber darüber wer der „Billigste“ ist.
Genauso unverständlich ist die Zurückhaltung des Luftfahrt-Bundesamtes, wenn es um die Bekanntgabe festgestellter Mängel an Flugzeugen geht (ist das nicht eine verdammt wichtige Informationspflicht gegenüber den Verbrauchern?). Über Preisunterschiede zu berichten fühlen sich viele verantwortlich, über qualitäts- oder sicherheitsrelevante Probleme wird zumeist erst hinterher berichtet (dann wird tief gegraben, leider zu spät).
Das haben die deutschen Touristen nicht verdient (oder wollen sie das eventuell gar nicht wissen?). |