BBB-Newsletter: jede Woche "Bissiges" per email (Info)

Zur Anmeldung

Borns "bissige" Bemerkungen ist die montägliche Kolumne rund um das aktuelle Geschehen in der Welt, speziell in der Tourismuswirtschaft. BBB erscheint seit März 2001 jeden Montag auf diesen Webseiten und als kostenloser email-Newsletter. Im Archiv finden Sie 300 weitere Kommentare zu den verschiedensten Themen und Anlässen.

[ Archiv ] - [ Suche ] - [ aktuelle BBB ] - [ Ihr Thema ] - [ XML ]

Bücher von oder mit Beiträgen von Karl Born: Abschied von der Spassgesellschaft | Der integrierte Touristikkonzern | Kundenorientierung im Touristikmanagement | Kundenmanagement als Erfolgsfaktor


Alles „Easy“ oder wie man sich eine Schiffsreise verderben kann | 12.6.2005 (Prof. Karl Born)12.6.2005: Alles „Easy“ oder wie man sich eine Schiffsreise verderben kann


Kreuzfahrten sind „in“ und Billig ist „in“. Wenn man beides verbindet, müsste dies „ein Renner“ werden. Oder Horror? Ein Erfahrungsbericht von Heinz Horrmann (siehe „Härtetest auf dem Meer“, WamS, 12.6.2005) auf der „easyCruiseOne“ einerseits und die Berichte in jüngster Zeit über Onur Air und den Pleite-Veranstalter Interflug anderseits, sollten potenzielle Kunden zum Nachdenken über den Unterschied von „billig“ und „zu billig“ anregen.

Kommentar Karl Born:

Heinz Horrmann, Ressort-Chef Reise bei Welt und WamS und Reiseautor (z.B. „In fremden Betten“) ist sicherlich nicht der typische Billig-Reisende, sondern eher ein 5-Sterne-Typ. Aber durch seine große Erfahrung kann er beurteilen, wo das Preis/Leistungsverhältnis stimmt und wo man als Kunde eher die „Finger weglassen“ sollte. Sein Bericht über eine „Easy-Cruise“ (ein Angebot aus dem gleichen Hause wie der Billigflieger Easyjet und Easy-Hotel) ist Warnung vor Billig-Angeboten und coole Reisestory gleichermaßen, mit echtem BBB-Format.

Für den „tollen“ Preis von 37 Euro Tagessatz pro Person wird geboten: Auf zwei mal zwei Meter Raum zwei Matratzen auf Plastik, kein Stuhl, kein Schrank, kein Tisch, kein Zahnputzglas. Kabinenreinigung geht extra (was gibt es da auch zu reinigen und das Schiff insgesamt wirkt ohnehin sehr „ungereinigt“), Frühstück geht extra, jedes Glas Wasser sowieso. Die Qualität des Essens ist grässlich, insofern spielt es keine Rolle, dass es extra bezahlt werden muss, weil es ohnehin keiner essen will.

Aber die Kommunikation auf dem „Luxusliner“ hat Potenzial (in wahrsten Sinne des Wortes). Die Kabine von Horrmann war bei Ankunft schon von zwei jungen Damen belegt. Danach zog ein Rezeptionsmitarbeiter mit Universalkarte von Kabine zu Kabine, öffnete stets ohne anzuklopfen. Die ersten waren ebenfalls belegt, schließlich fand er eine die noch verfügbar war. In der Nacht klopfte ihn ein Brite von der Kabine nebenan wach (nur mit Handtuch vor Bauch und „anderem“), mit der Frage, ob Horrmann ihm ein Präservativ aushelfen könne, seine wären ihm gerade ausgegangen. Daraus ließe sich natürlich ein „System“ entwickeln. Nachts von Kabine zu Kabine ziehen, bis man beides findet: neue Präservative und möglichst eine Kabine in der man gleich bleiben kann. Eine Vorbesichtigung hat man in der Regel ja schon beim Check In gemacht. Und gegen schlechten Atem als Folge von fehlendem Zahnputzglas, gibt es Kaugummis (wozu man Gummi alles verwenden kann), die gleichzeitig Zähne putzen und guten Atem machen.

Die britischen Urlauber scheint dies alles nicht zu stören. Sie sind von Hause aus weniger empfindlich und akzeptieren auch den sehr „rustikalen Charme“ an Bord von Ryanair und EasyJet. Das reisende britische Publikum umfasst wirklich die „volle Bandbreite des Lebens“, wie ein Aufenthalt z.B. auf dem Flughafen Mallorca zu nächtlicher Stunde leicht beweist.

Aber die Geschichte von Horrmann ist neben dem hohen Unterhaltungswert auch noch aus anderem Grunde branchenwichtig. Er nimmt kein Blatt vor den Mund und spricht seine Erfahrung deutlich aus, auch hinsichtlich Sicherheit (siehe Bericht „Take it easy“ in der Welt vom 11.6.).
Das wünscht man sich auch bei anderer Gelegenheit. Die Beschwerden über den Veranstalter Interflug häuften sich bei den Verbraucherzentralen schon lange vor der Pleite. Die Praktiken des Interflug-Chefs waren „einschlägig“ bekannt. Aber die Presse hält sich in diesen und ähnlichen Fällen doch sehr zurück (von indirektem Hinweis in einer Zeitschrift abgesehen) und berichtet lieber darüber wer der „Billigste“ ist.

Genauso unverständlich ist die Zurückhaltung des Luftfahrt-Bundesamtes, wenn es um die Bekanntgabe festgestellter Mängel an Flugzeugen geht (ist das nicht eine verdammt wichtige Informationspflicht gegenüber den Verbrauchern?). Über Preisunterschiede zu berichten fühlen sich viele verantwortlich, über qualitäts- oder sicherheitsrelevante Probleme wird zumeist erst hinterher berichtet (dann wird tief gegraben, leider zu spät).

Das haben die deutschen Touristen nicht verdient (oder wollen sie das eventuell gar nicht wissen?).

>> Sie finden über 300 "bissige" Bemerkungen im Archiv <<

Die beliebtesten "bissigen" Bemerkungen waren bisher:

18.6.2007 very british
11.6.2007 Das Interview
16.4. 2007 Hast Du die Abgabe gegeben, lässt es sich mit CO2 gut leben. 8.1.2007 Endlich aufgedeckt: Die Geschichte vom Trojanischen Pferd beim Kauf britischer Touristikfirmen.
5.3.2006 40 Jahre ITB, ein Rückblick
29.1.2006 Klofrau bei Ryanair demnächst Realität?
21.11.2005 Reisesommer 2006: Goldene Zeiten für den homo rabattus
17.10.2005 Du bist Deutschland
3.10.2005 Was ist dümmer: Flugtickets verschenken oder Flugtickets als Give aways?
18.7.2005 Wenn Liebe durch Ehe beendet wird, ist es zur Scheidung nicht weit
26.6.2005 Liebe Frühbucher Ihr müsst jetzt tapfer sein
8.11.2004 Wenn Vorstände schlau werden
23.8.2004 Was die Reisebürobranche von Coiffeur Udo Walz lernen kann
20.6.2004 Wann ist irgendwann?
12.01.2004 Wie schützenswert ist das Bachneunauge am Flughafen Münster-Osnabrück?
01.06.2003 Ein Tourist überquert die Straße
11.11.2002 Wann führen die Billig Airlines den "Minus-Preis" ein
14.10.2002 Die Lufthansa-Stewardess hat gelächelt


SUCHE