Wie das Märchen von Hans im Glück, der einen Goldklumpen falsch eintauschte, in einer norddeutschen Stadt Realität wird. | 10.12.2006 (Prof. Karl Born)10.12.2006: Wie das Märchen von Hans im Glück, der einen Goldklumpen falsch eintauschte, in einer norddeutschen Stadt Realität wird.

Am 14.12. findet in Hannover die nächste Aufsichtsratsitzung der TUI AG statt, von der weitere gravierende Sparbeschlüsse erwartet werden: eine Weihnachtsbescherung der besonderen Art. Die Entwicklung dieser Firma in den letzten Jahren hat fatale Ähnlichkeit mit dem Märchen „Hans im Glück“ der Gebrüder Grimm. Nur leider ist es kein Märchen, sondern Realität.
Kommentar Karl Born:
Die Geschichte von Hans im Glück ist schnell erzählt. Er bekommt von seinem Herrn, dem er lange gedient hat, einen Goldklumpen geschenkt. Im weiteren Verlauf setzt Hans seine Hoffnung immer wieder auf andere Dinge, die ihm seine Geschäftspartner rosig ausmalen. Er projiziert seine Hoffnungen immer auf neue Objekte, mit denen er aber nicht richtig umzugehen weiß. So wird sein „Kapital“ immer weniger. Er tauscht Goldklumpen gegen Pferd, das gegen eine Kuh, diese gegen ein Schwein, dann in eine Gans, dann in einen Schleifstein, bis ihm dieser in einen Brunnen fällt. Er glaubt immer gutes Geschäft gemacht zu haben, bis er „mit nichts“ zuhause ankommt (Kurzversion siehe http://de.wikipedia.org/wiki/Hans_im_Gl%C3%BCck, Langversion siehe http://www.fln.vcu.edu/grimm/hans.html ).
Nun die norddeutsche Variante: Es war einmal eine Preussag, die hatte 1996 einen durchschnittlichen Aktienkurs von 18,57 Euro (von DM umgerechnet). Im Jahre 1997 erwarb die Preussag die Mehrheit an Hapag-Lloyd und dadurch ein Jahr später die Mehrheit an der damaligen echten TUI. Dieser Goldklumpen, der Preussag vom damaligen Gebieter Neuber überreicht wurde, trieb im Folgejahr den Aktienkurs im Durchschnitt auf sagenhafte 46,25 Euro (Höchststand sogar 55,17 Euro) hoch. Im Folgejahr 2000 tauschte Preussag Geld gegen Anteile an Thomson Travel, da lag der Durchschnittskurs nur noch bei 37,68 Euro. Im Jahre 2002 tauschte Preussag seinen Namen in TUI, um den touristischen Führungsanspruch deutlicher zu machen, da sank der Jahresdurchschnittskurs auf nur noch 23,39 Euro. In den Jahren 2003 und 2004 tauschte die nun TUI AG, formerly known as Preussag, Beschäftigte gegen Sparmaßnahmen, aber auch Flugzeuge von Hapag-Lloyd Flug gegen Bargeld, mit der Folge eines durchschnittlichen Aktienkurses im Jahre 2004 von nur noch 15,54 Euro. In der Zwischenzeit wurde immer weiter getauscht, nicht nur bundesweit, sondern europaweit und im Einzelfall sogar bis Indien. Jetzt steht nochmals ein gewaltiger Tausch an, ein Haus mit dem Charme von Fort Knox und zusätzlich weitere Beschäftigte sollen gegen Sparmaßnahmen getauscht werden. Es ist bekannt wie das „Märchen“ weitergeht.
Fragt sich nur an welcher Stelle von „Hans im Glück“ wir bereits stehen. Hoffentlich noch nicht am Brunnen, denn dann wäre die Geschichte leider zu Ende. Und das wäre als Ende für den Goldklumpen wirklich schade.
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