Achim Hunold: I had a dream | 1.4.2007 (Prof. Karl Born)1.4.2007: Achim Hunold: I had a dream

Air Berlin übernimmt die LTU für einen Kaufpreis von 140 Mio. Euro, kündigt das Code Share-Abkommen mit der TUI und beabsichtigt dieses für die Zukunft mit der Fluggesellschaft Condor zu vereinbaren. So kräftig wurde die Flug-Szene in Deutschland noch nie durcheinander gewirbelt.
Kommentar Karl Born:
Martin Luther Kings legendärer Ausspruch „I have a dream“ (Marsch auf Washington, 1963) wird immer dann gerne in der Vergangenheitsform zitiert, wenn man glaubt, dass jemand (i.d.R. unter nicht einfachen Umständen) einen alten Traum, eigentlich unerfüllbar, dennoch realisiert. Es muss schon ein harter Schlag für Hunold gewesen sein, als 1989 die WestLB bei der LTU einstieg und er mehr als fassungslos mit den Plänen des damaligen WestLB-Chefs Friedel Neuber (Spitzname „Der Pate“) konfrontiert wurde. Kurze Zeit später (1990) trennten sich die Wege, Hunold „ging in die Freizeit“ und mit der LTU ging es bergab (wie mit mancher Investition die die WestLB tätigte). Wie sehr dieser „Abschied“ Hunold schmerzte, kann man u.a. an seinem Ausspruch zum Einstieg von Neubers WestLB bei TUI erkennen: „Bin gespannt wie lange er braucht, bis er auch die TUI kaputt hat“. Dem geneigten Leser bleibt die Beurteilung dieser Hunoldschen Vorhersage selbst überlassen.
Hunold wird es öffentlich nicht zugeben, aber der Kaufabschluss mit der LTU muss bei ihm ähnliche Gefühle hervorgerufen haben, wie jene von Henry Maske nach seinem Box-Comeback. Maske musste 10 Jahre auf die Erfüllung seines „impossible dream“ (Song von Sarah Connors vor dem Kampf) warten, Hunold sogar 17 Jahre. In der Maske-Rede nach dem Kampf, in der er seinen unbedingten Willen demonstrierte, konnte man Elemente erkennen („Mein Manager hätte am liebsten vor zwei Stunden den Kampf noch abgesagt“), die durchaus auch von Hunold hätten stammen können. Aber eigentlich sollte man sich nicht alle Träume erfüllen, denn die folgende Realisierung könnte ein negatives Erwachen nach sich ziehen. Die LTU von heute ist nicht mehr die LTU von damals und die damalige LTU war der heutigen Air Berlin sicherlich näher als es die heutige LTU ist. Kurzum: Nach der gemeinsamen Wachstumstory Hunold/Air Berlin, der Übernahme der Fluggesellschaft dba (die eigentlich kurz und schmerzlos „geschluckt“ wurde), steht jetzt mit der LTU eine richtige Integration an und das teilweise auch auf neuem Terrain (Langstrecke). Andererseits muss man natürlich auch sehr sachlich konstatieren, dass neben den genannten persönlichen Aspekten, nur exakt „diese LTU-Nummer“ weiteres Wachstum für Air Berlin generieren kann.
Der damit verbundene vertragliche Schwenk weg von TUI hat sich diese teilweise selbst zuzuschreiben. Die Chance zu einer Verbindung TUI/Air Berlin wurde vor kurzem vertan (aus welchen Gründen auch immer) und die unselige Benennung der TUI-Fluggesellschaften in TUIfly hat diesem Prozess noch etwas Schub gegeben.
Höchste Zeit für die BBBs wenigstens in einem Punkt mal ausnahmsweise den ex-LTU- und ex-dba-Eigentümer Hans Rudolf Wöhrl zu loben. Er ist sicherlich nicht der große Sanierer, zu dem ihn einige Medien hoch geschrieben haben. Auch ist die Halbwertzeit seiner Versprechungen extrem gering („Aus der Verbindung von dba und LTU soll nun der erste Low-Cost-Carrier mit einem globalen Streckennetz hervorgehen, was bislang noch niemand geschafft hat“, siehe BBB vom 20.2.2006 (!!), http://karl-born.de/bbb/archiv/news-archive-20-2-2006.html). Kommentar der BBBs damals: „Die restliche Fliegerei zittert, vor Lachen“. Aber, Wöhrl ist ein begnadeter Verkäufer. Sein finanzieller Coup beim Verkauf und Rückkauf von dba-Anteilen an Dr. Bischoff/Germania (siehe BBB vom 18.7.2005, „Wenn Liebe durch Ehe beendet wird, ist es bis zur Scheidung nicht weit“, http://karl-born.de/bbb/archiv/news-archive-20-2-2006.html), sein dann endgültiger Verkauf der für einen Euro erworbenen dba zu einem hohen zweistelligen Millionenbetrag an Air Berlin und der jetzige Verkauf der LTU für 140 Millionen Euro verdienen Respekt. Die Bissigen Bemerkungen verleihen ihm dafür den Titel „GröFaz“: Größter Fluggesellschaften-Verkäufer aller Zeiten!
Und was das schöne ist an diesem Fluggesellschaften-Monopoly: Fortsetzung folgt.
-------------------------------------------------------------------------------- In eigener Sache: Die Bissigen Bemerkungen wünschen allen Leserinnen und Lesern ein frohes Osterfest. Da die Ostereiersuche unter Umständen sehr anstrengend sein kann, erscheint die nächste Ausgabe der BBB erst wieder am 16. April. Vorausgesetzt, die Branche gibt Osterruhe.
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