9.5.2004 Hotel ohne Personal und Sado-Maso im Restaurant: Harte Zeiten für Kunden

In Krems an der Donau in Niederösterreich wurde ein Hotel der "Orange Wings Gruppe" eröffnet, in dem ein Automat den Empfangschef ersetzt. In Tel Aviv wurde das erste Sado-Maso-Restaurant eröffnet. Das Grauen für die Kunden wird immer größer!
Kommentar Karl Born:
Es war eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis für den "modernen" Manager-Typ, der außer Kostensparen keine Kreativität kennt, ein Wunschtraum in Erfüllung geht: Dienstleistung ohne Personal!
Eine Kennzahl liegt heute auf jedem Top-Schreibtisch: "Kosten des Personals pro Produktionseinheit im Vergleich mit der Konkurrenz". Fragt man dann nach der eigentlich korrespondierenden Statistik "Qualität des Personals im Vergleich zur Konkurrenz", erntet man einen Blick als hätte man etwas Unanständiges ausgesprochen.
Die Orange Wings-Hotels haben "es geschafft". Im Pilotprojekt in Krems ersetzt ein "Hotelomat" die Rezeption. Eingecheckt wird über einen Touchscreen, bezahlt mit der EC- oder Kreditkarte. Der Computer wirft dann eine Schlüsselkarte aus und aktiviert die Stromversorgung im Zimmer. Groß scheint das Vertrauen der Hotelkette in die eigene Technik allerdings nicht zu sein. Die Homepage hat einen Verweis auf eine "SupergauCard" und den kann man sich leicht ausmalen.
Auch ansonsten scheint das Weltbild der Hotelkette nicht gerade der Realität zu entsprechen. Zitat von der Homepage der Orange Wings-Hotels: "Der Hotelgast von heute bleibt oft nur eine Nacht. Statt Austern, Kaviar und vergoldeten Wasserhähnen ist ihm das wesentliche wichtig: sauber, sicher und schnell untergebracht zu sein." Hallo, liebe Hotelrevoluzzer aus Österreich, das ist heutzutage sicherlich nicht das Hauptproblem des Hotelgastes "von Austern, Kaviar und vergoldeten Wasserhähnen bedrängt zu werden". Und marketingmäßig wäre doch ohnehin besser gewesen, eine schrecklichere Welt als Alternative zu beschreiben, ungefähr in dieser Art: "Was bietet die klassische Hotellerie wenn der Kunde spät nachts eincheckt: Der Nachtzerberus fühlt sich ziemlich belästigt, Portier und Hausdame sind bereits gegangen, die Freundlichkeit auch. Also, Koffer selbst auf das Zimmer schleppen. Das Abendessen besteht aus Erdnüssen aus der Minibar, deren Verfalldatum schon länger überschritten ist als der letzte medizinische Check up des Kunden, der aber sicherlich danach wieder fällig wird." So hätte die Marketing-Aussage Pfiff.
Genau in die entgegengesetzte Richtung geht das Angebot im ersten Sado-Maso-Restaurant, das jetzt in Tel Aviv eröffnet wurde. Statt von einem seelenlosen Automaten, wird man dort von einer Domina erwartet und zum Tisch begleitet. Wer sich übers Essen beschwert, wird in einen eisernen Käfig eingesperrt, wer schlabbert wird ausgepeitscht. Hier gehen nicht nur die Wünsche einer speziellen Kundschaft in Erfüllung, auch manche Beschäftigte der Hotellerie und Gaststättenszene werden insgeheim von einem solchen Umgang mit Kunden schon geträumt haben. Gerüchten zufolge soll es demnächst eine light Version dieses Restaurants geben. Die "Dienstleistung" soll sehr traditionell sein: Warmes amerikanisches Bier, britisches Essen und deutsche Kellner.
Es lebe die Kundenorientierung!
Letzte Meldung: Die Bissigen Bemerkungen haben wieder etwas zu feiern. Der 1.000ste Abonnent hat den BBB-Newsletter bestellt. Und, falls uns sonst keiner lobt, sagen wir es selbst: Das ist für einen privaten Newsletter innerhalb von 18 Monaten eine klasse Leistung und darauf sind wir stolz. Vielen Dank, liebe Leser!
Angesichts des heutigen Themas ist es uns fast peinlich den Beruf unseres Jubilars zu nennen. Der 1.000. Abonnent der Bissigen Bemerkungen heißt Thomas Tonndorf und ist General Manager des Holiday Inn Berlin-Esplanade. Aber sicherlich sind die Mitarbeiter in seinem Hotel alle sehr kundenorientiert. Als Dank für das Jubiläumsabonnement erhält Herr Tonndorf einen Freiflug für zwei Personen von Berlin nach Palma de Mallorca (und natürlich auch wieder zurück). Dieser Preis wurde gespendet von einer Firma, deren Mitarbeiter als besonders kundenfreundlich gelten, von der Fluggesellschaft Air Berlin. Danke, für das Sponsoring.
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