19.12.2004 „Ihr Kinderlein kommet“, aber wer ist Mutter, Tochter oder Enkel?

TUI verkauft 50% von TV-travel shop an den sog. „virtuellen Reiseveranstalter“ Touropa, an dem TUI wiederum mit 40% beteiligt ist (siehe TUI.com). Ein guter Anlass, die sich hieraus ergebenden verwandtschaftlichen Beziehungen nicht nur real, sondern auch virtuell zu betrachten.
Kommentar Karl Born:
Fangen wir ganz langsam und einfach an. Die Mutter TUI hat (neben vielen anderen Töchtern) auch eine Tochter namens TV-travel shop (vor einiger Zeit mit einem Engländer gezeugt) und einen Sohn namens Touropa. Von ihm erhoffte sich die Mutter, dass er ihr die Zukunft erschließen sollte (warum er dann den ältesten Familien-Traditionsnamen erhielt, blieb vorerst unklar). Überraschenderweise wurde dieser Sohn, nachdem der engl. Vater flüchtig ging, jetzt Vater seiner Schwester. Lassen wir dahin gestellt, ob dies auch nach besonders liberaler Auslegung des Adoptionsrechts und unter besonderer Berücksichtigung der Lex Hannover möglich ist. Ziehen wir uns auf die Position zurück, dass bei „Göttern“ etwas Inzucht schon immer normal war. Man könnte natürlich auch sagen, diese Vaterschaft sei virtuell (wie immer man diese Bezeichnung auslegen möge). Wenn also der Sohn Touropa jetzt auch Vater der Tochter TV-travel shop ist, dann ist TV-travel shop nicht nur Tochter von TUI, sondern auch gleichzeitig Enkel. Umgekehrt betrachtet ist natürlich der Vater der Tochter auch auf einer Ebene mit der Mutter (also Partner). Wenn also TUI zu TV-travel shop gleichzeitig Mutter und Großmutter ist, muss dies auch für den Partner gelten. Demzufolge ist Touropa nicht nur Vater sondern auch Opa. Dies erklärt jetzt endlich die Sinnhaltigkeit des Namens Touropa, man muss ihn nur richtig aussprechen (Tour-Opa).
Jetzt wird es ein wenig schwieriger. TUI hat auch eine Tochter namens RIU, im folgenden zur Unterscheidung einfach RIU(SA) genannt. Sie wurde gezeugt mit einem spanischen Grande namens RIU. In diesem Fall ist gezeugt sogar richtig, im Sinne von neu geschaffen (und nicht adoptiert). Die Kinder des realen Herrn RIU, im folgenden vereinfacht RIUErben genannt, sind damit eigentlich Halbgeschwister der deutsch/spanischen Tochter RIU(SA). Da RIUErben jetzt überraschend Mutter von TUI wurde, ist RIUErben zu RIU(SA) jetzt nicht nur Halbschwester, sondern auch Oma. RIU(SA) ist weiterhin Halbschwester zu TV-travel shop und Touropa, zu TV-travel shop als Tochter von Touropa, sogar Tante. RIUErben ist als Mutter von TUI jetzt auch Oma von TV-travel shop und Touropa und in Bezug auf die Tochter von Touropa sogar Uroma. Da Touropa als Vater von TV-Travel shop auch Partner von TUI ist, ist RIUEerben auch gleichzeitig Stiefmutter von Touropa, damit ist Touropa virtuell auch Onkel von TV-travel shop.
Jetzt wird es richtig schwer. Die heutigen TUIs sind bekanntlich keine geborenen TUIs. TUI wurde 1968 geboren und entwickelte sich schnell zu einer strahlenden und allseits beachteten Frau. Als sie attraktive 29 Jahre alt war, näherte sich Preussag ihr, zuerst noch vorsichtig, fast großväterlich indirekt (Adoption von Hapag Lloyd und damit auch deren Tochter TUI in 1997). Spätestens, als TUI in die bekannt begehrenswerten 30er-Jahre einer Frau kam, war Preussag nicht mehr zu bremsen. Zuerst erklärte sie TUI vom Enkel zur Tochter (2000). um sich kurze Zeit später (2002) nicht nur mit ihr zu vereinigen, sondern (als größten Liebesbeweis) sogar ihren Namen anzunehmen.
Jetzt zur Pointe: TUI war schon 1997 Mutter von RIU(SA), wurde dann nach dem „Aufstieg zur Tochter“ gleichzeitig Schwester von RIU(SA) und damit auch virtuelle Halbschwester von RIUErben. Die BBBs verzichten darauf, die sich hieraus ergebenden zusätzlichen realen und virtuellen verwandtschaftlichen Beziehungen noch in die obige Geschichte einzubauen. BBB-Leser, die allerdings über Weihnachten Langeweile haben, können die verwandtschaftlichen Beziehungen gerne weiter ergänzen. Wenn Sie hierbei nicht weiterkommen, wenden Sie sich an einen gewissen Herrn Feuerhake in Hannover, der ihnen sicherlich gerne weiterhelfen wird. Gerüchteweise soll ihm ohnehin in 2005 der Deutsche Adoptionspreis verliehen werden.
Wer glaubt, diese Geschichte sei nicht zu toppen, soll jetzt noch eines besseren belehrt werden. Der Reiseveranstalter ITS glänzte dieser Tage mit der Innovation „Oma inklusive“. Wenn bei bestimmten Angeboten zwei Vollzahler reisen, können diese kostenlos „ihre Oma“ mitnehmen, vorausgesetzt sie ist über 50 Jahre alt (wichtige Eingrenzung, siehe oben). Bis hierher, alles prima. In einem Interview („Oma inklusive“, Zeit vom 25.11.2004) antwortete der zuständige Produktdirektor auf die Frage, ob drei Generationen im gemeinsamen Urlaub nicht zu Konflikten führen würde: „Wir fahren auch mit den Eltern und Schwiegereltern los, dann sind drei Generationen unterwegs. Genauer gesagt vier, denn wir nehmen den Hund noch mit“. Ohne den Sprung von der dritten in die vierte Generation näher erklären zu wollen, aber bauen sie eine solche Variante mal in die obige TUI-Geschichte ein, dann ist ihr Silvester-Gesprächsstoff gesichert.
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Mit dieser Familien-Geschichte wünschen die Bissigen Bemerkungen allen Leserinnen und Lesern ein frohes friedvolles Weihnachtsfest und viele überraschende Weihnachtsgeschenke. Die nächsten Bissigen Bemerkungen erscheinen pünktlich zum Neuen Jahr am 1.1.2005.
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