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03.06.2002
El Condor pasa


Condor, der einstmals stolzeste Namen in der Flugtouristik, ist nicht mehr. „Das war`s“, sprach der Thomas Cook-Vorstand und legte ihn zu den Akten. Kurz und schmerzhaft. Deshalb heute keine „bissigen“ Bemerkungen, sondern „liebe“ Bemerkungen. Über Verblichene sagt man ohnehin nur Gutes!

Kommentar Karl Born:
Condor, der Name stand für eine neue zuverlässige Epoche der Charterfliegerei aber auch für eine wilde fröhliche Zeit der „Condorianer“, die gleichwohl von Herzlichkeit und hoher Identifikation mit dem Unternehmen geprägt war. Legendäres gäbe es zu erzählen, vom Crew-Haus auf Mallorca, wenn Piloten zu Pferd durch die Hotel-Lobby ritten (oder in den Pool), von den kleinen Bürobaracken am Frankfurter-Flughafen mit Kerosin-Geruch (und Telefonunterbrechung wenn ein Flugzeug startete), das Büro über „Kaiser`s Kaffeegeschäft“ in Gravenbruch, Bungalow und Swimmingpool in Neu Isenburg, von Bowling-Turnieren und sagenumwobenen Betriebsausflügen. Jeder der mal dazu gehörte, kann davon erzählen und für jeden der ging, war es eine schmerzhafte Entscheidung. Von manchen weiß man gar nicht mehr, dass sie mal zur Condor- Mannschaft gehörten. Der spätere Showmaster Wim Thölke war ebenso eine Zeitlang Geschäftsführer wie auch der spätere Flick-Manager Eberhard von Brauchitsch. Die ersten Flugeinkaufs-Direktoren von TUI, Alfred Merscher, und von Neckermann, Heinz Dettmar, kamen (wie selbstverständlich) von Condor. Und der spätere TUI-Vorstand Karl Born war nicht nur Leiter der Kostenrechnung und später Verkaufschef, sondern zwischendurch auch mal Betriebsrats- Vorsitzender der Condor.
Besonders prägend für die Entwicklung (und die Stimmung) der Condor war der langjährige Verkaufs-Geschäftsführer Herbert Wendlik. In seine Ära fiel die attraktivste Condor-Zeit, insbesondere die Beschaffung der B747, die Condor als erste Chartergesellschaft der Welt flog. Da macht es im Nachhinein auch (fast) nichts, dass die Wirtschaftlichkeitsrechnung nur deshalb positiv gewesen sein soll, weil in einer wichtigen Ergebniszeile das Komma durch einen Schreibfehler um eine Stelle zu weit nach rechts gerückt war. Und dass die endgültige Beschaffungsentscheidung auf der Toilette getroffen worden sein soll, ist nur leicht überzeichnet. Doch was spielt es im nachhinein für eine Rolle. Das unglaubliche Engagement aller (fliegender und nicht fliegender) Mitarbeiter machte die B 747 dann tatsächlich über viele Jahre zu einer Erfolgsstory.
Da sollte man einen solchen B747-Piloten auch nicht nach seiner Reisekostenabrechnung fragen. Der Kostenrechner H., der sich diesen „Fauxpas“ leistete, wurde vom Piloten Z. aufgefordert „drehen Sie sich mal um“ und auf die Frage „warum“, kam die Antwort „damit ich Ihnen besser in den A.... treten kann.“ Das waren auch für Controller noch härtere Zeiten. Da wundert es fast, dass dieser Pilot, der später eine entführte B747 der Lufthansa steuerte, anschließend als besonders cool gelobt wurde.
Ebenso legendär war die besondere Kundenbetreuung durch den bereits erwähnten Herbert Wendlik. Als dem TUI-Einkaufschef bei einer Dienstreise die Armbanduhr ins Meer fiel, warf Wendlik seine (teure) Uhr gleich hinterher. „Wenn mein Kunde keine Uhr hat, möchte ich auch keine haben!“. Das waren Zeiten, als der Kunde wirklich noch König war.
Man könnte noch Stunden erzählen, von Geschäftsführern, die im riesigen Bürozimmer ihren Schreibtisch so nah an die Wand stellten (mit Blick zur Wand!), dass sich die Besucher meist auf die falsche Seite des Schreibtischs (auf den Chefsessel) setzten usw. usw. usw.
Eine Bemerkung noch zum Schluß. Der richtige Anden-Condor wird in Freiheit im Durchschnitt 40 Jahre alt. Die Condor wurde 1955 gegründet und seit 1961 heißt sie Condor, damit wurde sie eigentlich 41 Jahre alt. Die indianische Sage sagt, ein Condor, wenn er alt wird, stürzt sich freiwillig gegen einen Felsen, damit ihn die Jäger nicht erlegen können. Der Exodus der „alten Condorianer“ in den letzten Jahren, aus der Condor heraus, hat auch ihnen erspart, das Ende der Condor zu erleben.


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